Pressemitteilungen 2019

TV-Tipp! Zeitreise: Vom Herrenhaus zum Forschungzentrum

Am Sonntag, den 31.03.2019 um 19:30 Uhr sendet das Schleswig-Holstein Magazin einen spannenden Beitrag über die Geschichte des Forschungszentrums mit sehenswerten Archivaufnahmen. Falls Sie die Sendung verpasst haben, gibt es ebenfalls die Möglichkeit den Bericht in der NDR Mediathek anzusehen. Viel Spaß beim Zuschauen!

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/zeitreise/Zeitreise-Vom-Herrenhaus-zum-Forschungzentrum,zeitreise2120.html

Titel: Zeitreise: Vom Herrenhaus zum Forschungszentrum Autor: Karl Dahmen Länge: 05:58 Sendedatum: Schleswig-Holstein Magazin - 31.03.2019 19:30 Uhr


Bei den Kindern in Borstel im Kreis Segeberg war sie in den 1950er-Jahren allgegenwärtig: die Tuberkulose. Wilhelm Sager erinnert sich noch gut daran. Die Mädchen und Jungen hatten Angst. Denn die Patienten des Krankenhauses, die mit der tückischen Infektionskrankheit infiziert waren, gingen im Ort frei spazieren. Die Eltern sagten ihren Kindern, sie sollen aufpassen, damit sie sich nicht anstecken. Sager war der Sohn des Dorflehrers und weiß noch, dass sein Vater einen Anruf vom Krankenhaus bekam, ob er kleine Modellhäuser haben wolle, die die Patienten gebaut haben. Er lehnte ab, aus Furcht sie könnten infiziert sein.

Das Krankenhaus in Borstel, damals ein adliges Gut, wurde 1947 zu einem modernen Tuberkulose-Institut. Mehrere Bundesländer hatten sich zusammengetan, um hier den Kampf mit der gefährlichen Krankheit aufzunehmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Mangelernährung, Stress und vor allem unhygienische Unterkünfte für das Aufflackern der Tuberkulose gesorgt. Die Lungenkrankheit war besonders bei großen Menschenansammlung eine Gefahr und heimkehrende Soldaten und Flüchtlinge galten als besonders gefährdet. Da war ein Ort in Schleswig-Holstein der bestmögliche Standort für die Bekämpfung der Krankheit.

Früher nannte man sie auch Schwindsucht, an der Zehntausende Menschen starben. Meist befallen die TBC-Erreger die Lunge, übertragen wird die Krankheit durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel, wenn jemand einen anniest. Im Herrenhaus Borstel und dem angrenzenden Krankenhaus nahm man den Kampf mit der Tuberkulose auf. Ohne wirksame Antibiotika war die Behandlung eine langwierige Angelegenheit. Die Patienten brauchten vor allem gute Ernährung und viel Ruhe. Später kamen die Antibiotika und Kranke hatten nun viel bessere Heilungschancen.

In Borstel entwickelte man einen eigenen Ansatz, behandelte die Patienten individuell, ganz auf ihre Bedürfnisse angepasst - bis heute. Denn noch immer wird am Institut in dem kleinen Ort geforscht. Bis 2015 gingen die Zahlen der an Tuberkulose Erkrankten zurück, erst durch die Flüchtlingsbewegungen stiegen sie wieder. Das Forschungszentrum Borstel hat inzwischen mehr als 500 Mitarbeiter. Schon in den 1980er-Jahren wurde es massiv ausgebaut. Das hatte auch mit steigenden Fördermitteln zu tun. Es wurden Sonderforschungsbereiche eingeführt und auch andere Infektionskrankheiten als Tuberkulose wurden in die Forschungen einbezogen.

Der jetzige Zentrumsdirektor Stefan Ehlers und seine Mitarbeiter sind stolz darauf, dass das Forschungsinstitut Borstel inzwischen weltweit anerkannt wird. Um die Tuberkulose in den Griff zu bekommen, betont Ehlers, müsse die Krankheit noch schneller diagnostiziert, sofort und individuell behandelt werden. Dies Prinzip will Borstel in die Welt hinaustragen. Partnerlabore gibt es bereits in Namibia und in der Republik Moldau. Die Weltgesundheitsorganisation hat als Ziel ausgegeben, 2050 solle es auf der Welt keine Tuberkulose mehr geben. Ob das gelingt, hängt auch von einem kleinen Ort in Holstein ab - dem "Forschungszentrum Borstel".