Pressemitteilungen 2020

Machtmissbrauch in der Wissenschaft - Fünf Mythen

H. G. Fehrenbach. Machtmissbrauch in der Wissenschaft. Fünf Mythen.
Forschung & Lehre, Ausgabe 4/20: 322-324.

Seit 2017 haben mehrere Fälle von Machtmissbrauch gegenüber Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern eine hohe Aufmerksamkeit für das Thema ausgelöst. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat sich in ihrem 2019 verabschiedeten neuen Kodex zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis deutlich zum Thema positioniert, über das gleichwohl in der wissenschaftlichen Community mehr oder weniger weit verbreitete Mythen bestehen. Eine Analyse*.

(Basierend auf dem Impulsreferat vom 6. Februar 2020 im Rahmen des Ombudssymposium in Berlin)

 

 

Hörtipp: Mit dem genetischen Fingerabdruck gegen Tuberkulose

Radiointerview mit Prof. Stefan Niemann, Leiter der Forschungsgruppe "Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie" und stellvertretender Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Mykobakterien am FZB.


Dienstag, 24.03.2020| 14:25 | rbb PRAXIS
Mit dem genetischen Fingerabdruck gegen Tuberkulose
Am Dienstag ist Welt-Tuberkulose-Tag. Mit 10 Millionen Neuerkrankungen jedes Jahr und 1,5 Millionen Toten ist Tuberkulose bisher die tödlichste Infektionskrankeit. Über ein Projekt von deutschen Forschern zur Bekämpfung der Krankheit berichtet Anna Corves aus der rbb PRAXIS.

https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/rbb_praxis/202003/24/424259.html

Tuberkulose: Medizinische Klinik Borstel übernimmt Röntgenuntersuchungen bei Flüchtlingen und Asylsuchenden

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie sind die Kapazitäten für Röntgenuntersuchungen begrenzt. Die gesetzlich vorgeschriebenen Erstuntersuchungen von erwachsenen Flüchtlingen, zu der eine körperliche Untersuchung und eine Thorax-Röntgenaufnahme zum Ausschluss einer Tuberkulose zählt, können von den niedergelassenen Radiologen aktuell nicht im ausreichenden Maße durchgeführt werden. Die Medizinische Klinik Borstel hat kurzfristig weitere Kapazitäten in der Röntgenabteilungen der Medizinischen Klinik geschaffen, um diesen Engpass zu überbrücken und um Röntgenreihenuntersuchungen für Erstaufnahmeeinrichtungen durchzuführen.

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Memento-Forschungspreis 2020 für Rickettsien-Forschung am Forschungszentrum Borstel und am Universitätsklinikum Marburg

Dr. Anke Osterloh vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum und PD Dr. Christian Keller von der Universität Marburg wurden am 11.03.2020 mit dem "Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten" ausgezeichnet. Die internationale Jury würdigte durch den mit 5.000 Euro dotierten Preis ihre Beiträge und ihr Engagement für die Forschung an Rickettsien-Infektionen. 

Rickettsien-Infektionen kommen weltweit vor und betreffen sehr viele Menschen insbesondere in ärmeren Regionen der Erde. In den vergangenen Jahren werden stetig zunehmende Fallzahlen und auch eine zunehmende räumliche Verbreitung der Erreger, insbesondere von Rickettsia typhi, beobachtet. Dennoch sind Rickettsien-Infektionen bislang nur wenig bekannt. „Vernachlässigt heißt oft auch unbekannt. Infektionen durch Rickettsien kennen die wenigsten, und doch haben sie große Bedeutung als Erreger schwerer, oft sogar lebensbedrohlicher Infektionskrankheiten auf allen Kontinenten“, sagt Jurymitglied Prof. Dr. August Stich, Chefarzt der Tropenmedizinischen Abteilung der Missioklinik Würzburg.

Rickettsien sind intrazelluläre bakterielle Erreger und Auslöser verschiedener Formen von Fleckfieber, einer hochfiebrigen Erkrankung, in deren Verlauf es häufig zu Komplikationen wie Lungen- und Hirnentzündungen kommt. Der Mangel an zuverlässigen, breit verfügbaren und erschwinglichen Diagnostika führt dazu, dass eine Behandlung mit einem passenden Antibiotikum oft gar nicht oder zu spät erfolgt, so dass viele Rickettsien-Infektionen tödlich verlaufen. Gerade in schweren Fällen fehlt es außerdem an innovativen therapeutischen Strategien und neuen Wirkstoffen, da Rickettsien auf nur sehr wenige Antibiotika ansprechen. Eine Schutzimpfung ist nicht verfügbar.

"Für die Entwicklung eines Impfstoffes ist es wichtig, die Immunmechanismen zu verstehen, die zu einem Schutz gegenüber den Erregern beitragen", sagt Anke Osterloh. In den vergangenen Jahren entwickelten Anke Osterloh und Christian Keller, zu Beginn noch in der ehemaligen Abteilung für Immunologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, neue Labormodelle für die Infektion mit Rickettsia typhi und Orientia tsutsugamushi, zwei der weltweit am häufigsten vertretenen Rickettsien. "Diese Modelle haben sehr viel zum Verständnis der Immunantwort gegenüber Rickettsien beigetragen und erlauben uns nun, neue Wirkstoffe und potentielle Impfstoffe auszutesten", so Dr. Anke Osterloh. Gemeinsam mit Kollegen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) zeigten Keller und Osterloh in diesen Modellen die Wirksamkeit einer neuen Antibiotikaklasse gegen Rickettsien. Sie entwickelten zudem den weltweit ersten transgenen Stamm von Rickettsia typhi, ein wichtiges Instrument für die Entwicklung neuer Therapieansätze und Impfungen. Die Publikationstätigkeit der beiden Preisträger umfasst Arbeiten zur Pathogenese sowie zur erworbenen und angeborenen Immunität gegen Rickettsia typhi und Orientia tsutsugamushi sowie zur Bedeutung von Rickettsien als Krankheitserreger in vulnerablen Bevölkerungsgruppen wie Kindern und Schwangeren.

Schwerpunkt der Arbeit von Anke Osterloh ist es nun, antigene Strukturen von Rickettsien zu identifizieren, die sich möglicherweise als Impfstoff eignen. Neben der Identifizierung neuer Wirkstoffe und der Entwicklung eines Impfstoffes ist aber auch die translationale, patientennahe Forschung ein wichtiges Anliegen von Anke Osterloh und Christian Keller. Dabei sollen die Identifizierung von Biomarkern für schwere Infektionsverläufe und klinische Studien im Vordergrund stehen. Wichtige Kooperationsstandorte der beiden Forscher für diese Arbeiten befinden sich in Nepal, Ghana, Kamerun und Madagaskar.

"Mit diesem Preis erfahren Rickettsien-Infektionen eine ganz neue und dringende Aufmerksamkeit. Er bestärkt uns sehr in unseren Arbeiten und würdigt außerdem den Beitrag aller daran Beteiligten, denen wir hier auch persönlich noch einmal unseren Dank aussprechen möchten", sagen Anke Osterloh und Christian Keller.

Hintergrundinformation zum Memento Preis

Der Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten wurde am 11.03.2020 zum siebten Mal verliehen. Ziel der Initiatoren des Preises – Ärzte ohne Grenzen, Brot für die Welt, BUKO Pharma-Kampagne und DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. – ist es, Aufmerksamkeit für vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten zu schaffen, an denen zwar Millionen Menschen weltweit leiden, für die es aber oft keine adäquaten Impfstoffe, Diagnostika oder Medikamente gibt. Laut eigener Pressemitteilung sieht das Memento-Bündnis die Bundesregierung in der Pflicht, entsprechend ihrer neuen Führungsrolle in der globalen Gesundheit, mehr Geld für die Forschung im Bereich der vernachlässigten Krankheiten bereitzustellen.

Das Forschungszentrum Borstel ist das Lungen-Forschungszentrum der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht zivilisationsassoziierte Erkrankungen wie Asthma und Allergien, andererseits Infektionen der Lunge, vor allem die Tuberkulose (TB), und beinhaltet das Nationale Referenzzentrum für Tuberkulose. Das übergeordnete Ziel der grundsätzlich interdisziplinären und translational ausgerichteten Forschungsaktivitäten ist, die Ursachen und Mechanismen infektiöser und nicht-infektiöser, chronisch-entzündlicher Erkrankungen der Lunge aufzuklären, um daraus neue innovative Konzepte zu deren Prävention, Diagnostik und Therapie abzuleiten. Für den Umgang mit hochpathogenen Erregern verfügt das Institut über Laboratorien der biologischen Sicherheitsstufe 3 (BSL3).

Kontakt:

Dr. Anke Osterloh
Parkallee 22
23845 Borstel
Tel.: +49 (0)4537 188 - 4822
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

PHIMS-TB: Aufbau einer integrierten molekularen Surveillance am Beispiel der Tuberkulose

Die integrierte molekulare Surveillance ist notwendiger Bestandteil einer zukunftsfähigen und international vergleichbaren Überwachung von Infektionskrankheiten. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert mit knapp 2,5 Millionen Euro ein gemeinsames Projekt des Robert Koch-Instituts und des Forschungszentrums Borstel zur integrierten molekularen Surveillance der Tuberkulose. Dies ist ein wichtiger Schritt, um das Ziel der „Pre-Elimination“ der Tuberkulose bis 2035 in Deutschland zu erreichen. Das Projekt „Public-Health-Beitrag einer bundesweiten integrierten molekularen Surveillance am Beispiel der Tuberkulose“ (PHIMS-TB) läuft von 1.1.2020 bis 31.12.2022.


Bei der integrierten molekularen Surveillance werden systematisch die Genome der Krankheitserreger analysiert (mikrobieller genetischer Fingerabdruck), mit den Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz verknüpft und die Ergebnisse kontinuierlich bewertet. Erst damit können viele Ausbruchsgeschehen und Übertragungsketten erkannt und gestoppt werden. Ein weiteres Ziel ist die kontinuierliche Überwachung von wichtigen Erregereigenschaften anhand der Genomsequenzen, insbesondere Antibiotikaresistenzen und Virulenz.

Ziel des PHIMS-TB-Projektes ist es, grundlegende Abläufe und Werkzeuge für die Verknüpfung von molekularen Daten mit den Meldedaten nach Infektionsschutzgesetz zu erproben und zu etablieren. Durch den modularen Aufbau des zu entwickelnden Systems soll das Projekt wesentlich zur Implementierung der Infrastruktur beitragen, die zukünftig auch für die integrierten molekulare Surveillance angepasst an die spezifischen Belange bei anderen Erregern genutzt werden kann.

Das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien ist am Forschungszentrum Borstel angesiedelt. Dort werden die Tuberkuloseerreger molekularbiologisch genauestens untersucht. Eine wichtige Rolle haben auch die Gesundheitsämter, die die Angaben des behandelnden Arztes und des Labors zusammenführen und die Meldedaten über die zuständige Landesbehörde an das Robert Koch-Institut übermitteln. Sie untersuchen vor Ort das Umfeld eines Tuberkulosepatienten, um infizierte oder bereits erkrankte Personen zu identifizieren und veranlassen die entsprechenden Public-Health-Maßnahmen auf Basis der Untersuchungs­ergebnisse und der Erkenntnisse aus dem Surveillancesystem. Eine erfolgreiche Tuberkulosekontrolle erfordert eine enge Zusammenarbeit aller Partner.

Tuberkulose verursacht jährlich mehr als 10 Millionen Neuerkrankungen und gehört zu den zehn häufigsten Todesursachen weltweit. Die multiresistente (MDR-) Tuberkulose ist die am weitesten verbreitete Form antimikrobieller Resistenz und verantwortlich für fast ein Drittel aller Todesfälle durch Resistenzen. In Deutschland ist die Zahl der gemeldeten Tuberkulose-Fälle seit 2012 deutlich angestiegen mit fast 6.000 Neuerkrankungen 2016, seit 2017 sinken die Fallzahlen wieder leicht und lagen Ende 2018 bei rund 5.400. Bei Symptomen wie länger bestehendem Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsabnahme sollten Ärzte immer auch an Tuberkulose denken. Die Weltgesundheitsorganisation strebt an, Tuberkulose bis 2050 zu eliminieren, bereits 2035 sollen wichtige Zwischenziele der Pre-Elimination erreicht werden.

Das Projekt wird gemeinsam von Prof. Walter Haas (RKI) und Prof. Stefan Niemann (FZB) geleitet.

Kontaktinformationen

  • Gesundheitsämter, Landesbehörden und Labore können uns bei Fragen oder Teilnahmeinteresse über das Formular kontaktieren.
  • Ansprechpartner am Robert Koch-Institut: Dr. Stefan Kröger
  • Ansprechpartner am Forschungszentrum Borstel / Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien: PD Dr. Florian Maurer

Gemeinsame Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts und des FZBs vom 14.02.2020