Press Releases 2022

Moderne DNA-Sequenzierungstechnologien sind ein wichtiger Bestandteil bei der Eindämmung und Überwachung von Infektionskrankheiten wie Tuberkulose (TB) oder Covid-19. Ende letzten Jahres reiste ein Expertenteam des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB) unter der Leitung von Prof. Stefan Niemann nach Maputo in Mosambik um dort verschiedene Methoden zur DNA-Sequenzierung zu etablieren. Gemeinsam mit den Partnern des Nationalen Gesundheitsinstituts (INS) führten Sie erstmals ein Training vor Ort durch, um das Laborteam in den Arbeitsabläufen zu schulen und die Protokolle an die vorhandene lokale Infrastruktur anzupassen. Im Rahmen dieses Workshops bot sich auch Zeit zum  weiteren wissenschaftlichen und technischen Austausch und so konnte die seit mehreren Jahren bestehende Kooperation zwischen den Partnern aus Deutschland und Mozambik vertieft werden.

Mit Hilfe moderner Sequenzierungstechnologien lässt sich die Erbinformation eines Krankheitserregers bestimmen und man erhält so einen Überblick über die vor Ort vorhandenen genetischen Varianten eines Krankheitserregers.. Bei der Tuberkulose (TB) ist dies sehr wichtig, da multiresistente und extrem-resistente TB-Stämme (M/XDR-TB) nicht nur in Mosambik sondern weltweit eine zunehmende Bedrohung für die Bekämpfung dieser schweren Infektionskrankheit darstellen.  Nur wenn der behandelnde Arzt weiß gegen welche Antibiotika die TB-Bakterien eines Patienten resistent sind, kann er eine effektive Therapie verordnen. Am INS in Maputo wurde die sogenannte „Targeting Sequencing Methode“ etabliert, bei der bestimmte Bereiche des bakteriellen Genoms sequenziert werden. Von diesen Bereichen des Genoms ist bekannt, dass sie resistenzvermittelnde  Veränderungen der DNA sogenannte Mutationen enthalten können. Wird eine solche Mutation nachgewiesen, so muss für eine erfolgreiche Therapie auf ein anderes Antibiotikum zurückgegriffen werden.

Auch bei SARS-CoV2 spielt diese Technologie eine maßgebliche Rolle. Hier gibt die Sequenzierung bestimmter Teile des Virus-Genoms Aufschluss über die in der Region zirkulierenden Varianten: Seit dem ersten bestätigten Fall im Dezember 2019 war Mosambik aufgrund fehlender Kapazitäten vor Ort auf den Versand von Proben in andere Länder angewiesen, um die Sequenzierung von SARS-CoV 2 durchführen zu lassen. Dann war es üblich, wochen- oder sogar monatelang zu warten, bevor Daten über die zirkulierenden Virusvarianten vorlagen. Mittlerweile wissen wir, dass nur die frühe Erkennung einer neuen Variante, effektive Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Virus erlaubt und die lokalen Gesundheitssysteme vor einer Überlastung schützt. Das „Global Health Protection Programm“ des deutschen Gesundheitsministeriums erlaubte eine schnelle Hilfe. Es gelang den Wissenschaftler*innen vom FZB gemeinsam mit ihren Kolleg*innen am INS erfolgreich einen Antrag im Rahmen der vom BMG zur Verfügung gestellten Corona-Global Fördermittel einzureichen. Die bereit gestellten Fördermittel erlaubten die Ausstattung des INS-Labors mit den notwendigen Geräten, die Beschaffung der Chemikalien und die Reise des FZB Expertenteams nach Maputo, um vor Ort die Methode zur Sequenzierung der SARS-CoV2 Proben etablieren zu können. Diese modernen molekularen Diagnosemethoden, die eine genaue Beschreibung des Genoms des Krankheitserregers erlauben sind ein wichtiges Instrument in der Pandemiebekämpfung, bei der Verringerung des Risikos zusätzlicher Resistenzentwicklung und bei der Steigerung von Heilungsraten von Infektionskrankheiten. Aus diesem Grund fördert das „Global Health Protection Programm (GHPP)“ des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG)  diese Zusammenarbeit zwischen Mosambik und Borstel im Rahmen der beiden Projekte „SeqMDRTB_NET“ und „COVIDSeq_NET“.

Alle Informationen zu den Projekten und den aktuellen Berichten zu den Workshops vor Ort finden Sie hier:

SeqMDRTB_NET: SeqMDRTB_NET: Global Health Protection Programme (ghpp.de)

COVIDSeq_NET: COVIDSeq_Net: Global Health Protection Programme (ghpp.de)

Kontakt:

Prof. Dr. Stefan Niemann
Prof. Dr. Stefan Niemann
04537 / 188-7620
04537 / 188-2091
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