Die integrierte molekulare Surveillance ist notwendiger Bestandteil einer zukunftsfähigen und international vergleichbaren Überwachung von Infektionskrankheiten. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert mit knapp 2,5 Millionen Euro ein gemeinsames Projekt des Robert Koch-Instituts und des Forschungszentrums Borstel zur integrierten molekularen Surveillance der Tuberkulose. Dies ist ein wichtiger Schritt, um das Ziel der „Pre-Elimination“ der Tuberkulose bis 2035 in Deutschland zu erreichen. Das Projekt „Public-Health-Beitrag einer bundesweiten integrierten molekularen Surveillance am Beispiel der Tuberkulose“ (PHIMS-TB) läuft von 1.1.2020 bis 31.12.2022.


Bei der integrierten molekularen Surveillance werden systematisch die Genome der Krankheitserreger analysiert (mikrobieller genetischer Fingerabdruck), mit den Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz verknüpft und die Ergebnisse kontinuierlich bewertet. Erst damit können viele Ausbruchsgeschehen und Übertragungsketten erkannt und gestoppt werden. Ein weiteres Ziel ist die kontinuierliche Überwachung von wichtigen Erregereigenschaften anhand der Genomsequenzen, insbesondere Antibiotikaresistenzen und Virulenz.

Ziel des PHIMS-TB-Projektes ist es, grundlegende Abläufe und Werkzeuge für die Verknüpfung von molekularen Daten mit den Meldedaten nach Infektionsschutzgesetz zu erproben und zu etablieren. Durch den modularen Aufbau des zu entwickelnden Systems soll das Projekt wesentlich zur Implementierung der Infrastruktur beitragen, die zukünftig auch für die integrierten molekulare Surveillance angepasst an die spezifischen Belange bei anderen Erregern genutzt werden kann.

Das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien ist am Forschungszentrum Borstel angesiedelt. Dort werden die Tuberkuloseerreger molekularbiologisch genauestens untersucht. Eine wichtige Rolle haben auch die Gesundheitsämter, die die Angaben des behandelnden Arztes und des Labors zusammenführen und die Meldedaten über die zuständige Landesbehörde an das Robert Koch-Institut übermitteln. Sie untersuchen vor Ort das Umfeld eines Tuberkulosepatienten, um infizierte oder bereits erkrankte Personen zu identifizieren und veranlassen die entsprechenden Public-Health-Maßnahmen auf Basis der Untersuchungs­ergebnisse und der Erkenntnisse aus dem Surveillancesystem. Eine erfolgreiche Tuberkulosekontrolle erfordert eine enge Zusammenarbeit aller Partner.

Tuberkulose verursacht jährlich mehr als 10 Millionen Neuerkrankungen und gehört zu den zehn häufigsten Todesursachen weltweit. Die multiresistente (MDR-) Tuberkulose ist die am weitesten verbreitete Form antimikrobieller Resistenz und verantwortlich für fast ein Drittel aller Todesfälle durch Resistenzen. In Deutschland ist die Zahl der gemeldeten Tuberkulose-Fälle seit 2012 deutlich angestiegen mit fast 6.000 Neuerkrankungen 2016, seit 2017 sinken die Fallzahlen wieder leicht und lagen Ende 2018 bei rund 5.400. Bei Symptomen wie länger bestehendem Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsabnahme sollten Ärzte immer auch an Tuberkulose denken. Die Weltgesundheitsorganisation strebt an, Tuberkulose bis 2050 zu eliminieren, bereits 2035 sollen wichtige Zwischenziele der Pre-Elimination erreicht werden.

Das Projekt wird gemeinsam von Prof. Walter Haas (RKI) und Prof. Stefan Niemann (FZB) geleitet.

Kontaktinformationen

  • Gesundheitsämter, Landesbehörden und Labore können uns bei Fragen oder Teilnahmeinteresse über das Formular kontaktieren.
  • Ansprechpartner am Robert Koch-Institut: Dr. Stefan Kröger
  • Ansprechpartner am Forschungszentrum Borstel / Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien: PD Dr. Florian Maurer

Gemeinsame Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts und des FZBs vom 14.02.2020