Press Releases 2018

Es ist mittlerweile schon eine schöne Tradition am FZB: An drei Tagen im Dezember organisierten engagierte Beschäftige des Forschungszentrums Borstel einen internen Weihnachtsmarkt für ihre Kolleginnen und Kollegen. Dort wurde Selbstgebasteltes und Gestaltetes verkauft, sowie Würstchen, Waffeln, Kuchen und Punsch gereicht.

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Patrick Beckert aus der Forschungsgruppe Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie (Ltg. Prof. Niemann) und Dr. Christian Schwager aus der Forschungsgruppe Klinische und Molekulare Allergologie (Ltg. Prof. Jappe) wurden auf dem diesjährigen Jahresempfang des Forschungszentrums Borstel mit dem Promotionspreis 2018 des Kreises Segeberg ausgezeichnet. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis würdigt einmal im Jahr die herausragenden Promotions-leistungen des Forschungszentrums und wurde gestern erstmals von dem neuen Kreispräsident Claus Peter Dieck verliehen.

Im Rahmen seiner Dissertation mit dem Titel „Populationsstruktur und Evolution von Mycobacterium tuberculosis Komplex-Stämmen aus Subsahara-Afrika beschrieb Patrick Beckert, unter Verwendung hochauflösender molekularbiologischer Genotypisierungsmethoden, die Populationsstruktur von 4.528 klinischen Mycobacterium tuberculosis Komplex-Stämmen (MTBK) aus 17 Ländern in Subsahara-Afrika und untersuchte deren Ausbreitung sowie die Assoziation von multiresistenten TB-Stämmen (MDR-TB) mit spezifischen Untergruppen (phylogenetischen Linien) des MTBK. Dabei konnte er zeigen, dass in Subsahara-Afrika MTBK-Stämme aller Untergruppen vorkommen und dass sich MDR-TB-Stämme seit circa 15 bis 20 Jahren in Eswatini  und seit circa neun Jahren in Lambaréné - Gabun unbemerkt ausbreiten und hauptsächlich für den Anstieg der MDR-TB-Fälle verantwortlich sind. Die Ergebnisse dieser Arbeit ermöglichen in Zukunft die Nachverfolgung spezifischer MTBK-Stämme anhand molekularbiologischer epidemiologischer Daten in Afrika und auch weltweit, sowie die Evaluierung von TB-Kontrollsystemen und Interventionsmaßnahmen in Afrika.

Dr. Christian Schwager befasste sich im Rahmen seiner Arbeit mit dem Titel „Erdnuss-Oleosine: Isolierung, Charakterisierung und Ermittlung der klinischen Relevanz“ mit einer Gruppe von Lipid-gebundenen Allergenen aus der Erdnuss, die eine hohe Relevanz für die Allergiediagnostik besitzen. Christian Schwager ist es erstmalig gelungen, diese schwer zu isolierenden Membranproteine in hoher Reinheit aus Erdnüssen zu extrahieren und diese in immunologischen Testsystemen mit dem Blut von allergischen Patienten auf ihre diagnostische Brauchbarkeit zu untersuchen. Hierbei konnte er zeigen, dass nur diejenigen Allergiker, die schwere allergische Reaktionen auf Erdnüsse haben, Allergie-vermittelnde Antikörper vom IgE-Typ gegen Oleosine besitzen. Damit stellen Oleosine potente Markerallergene (Biomarker) für den Schweregrad der allergischen Reaktion dar. Des Weiteren entwickelte er gemeinsam mit der Flowzytometrie-Einheit des Forschungszentrums Borstel einen innovativen Allergietest, welcher nun im Rahmen der gesamten Allergiediagnostik der Allergie-Ambulanz der Medizinischen Klinik Borstel sowie der Interdisziplinären Allergie-Ambulanz der Universität zu Lübeck genutzt werden kann, um Patienten mit allergischen Erkrankungen zuverlässig zu identifizieren. Damit kann den betreffenden Allergikern eine potentiell lebensgefährliche Provokationstestung erspart werden.

Herzlichen Glückwunsch zu diesen hervorragenden Leistungen!

Weitere Informationen zu den Forschungsgruppen:

FG Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie / Prof. Niemann

FG Klinische und Molekulare Allergologie

Pressemitteilung des Exzellenzclusters Entzündungsforschung

Highly Cited, also häufig zitiert, sind Publikationen, die im Erscheinungsjahr zu den ein Prozent meistzitierten ihres Fachgebiets gehören. Nur diejenigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die gleich an mehreren solcher Highly Cited Papers beteiligt sind, werden in den Kreis der „Highly Cited Researchers“ aufgenommen. Der Kreis umfasste bei der aktuellen Auswertung etwa 6.000 Personen in 21 Kategorien weltweit. Neu in diesem Jahr ist Kategorie „Cross-Field“, die interdisziplinäre Arbeiten berücksichtigt. In dieser Kategorie werden Forschende mit erheblichem Einfluss auf mehrere Bereiche während des letzten Jahrzehnts ausgezeichnet. Dazu gehören auch vier Mitglieder des Exzellenzclusters Entzündungsforschung: Prof. Lars Bertram, Prof. Dr. Jeanette Erdmann, Prof. Dr. Andre Franke und Prof. Dr. Inke König. Prof. Dr. Stefan Niemann gehört in der Kategorie Mikrobiologie zu den „Highly Cited Researcher“ und Cluster-Sprecher Prof. Dr. Stefan Schreiber wurde in der Kategorie Molekularbiologie und Genetik ausgezeichnet.

Grundlage der Auswertung von Clarivate Analytics (vormals Thomson Reuters) ist die Datenbank „Web of Science“, die wissenschaftliche Artikel aus rund 34.000 Fachzeitschriften auflistet. Deutschland befindet sich mit insgesamt 356 erfolgreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf Platz 4 der Wissenschaftsstandorte, nach den USA, Großbritannien und China. Für die 2018er-Auswertung wurde der Zeitraum von 2006 bis 2016 zugrunde gelegt und nach 21 Fachbereichen getrennt ausgewertet.

Link zur Liste aller am häufigsten zitierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
 
Die vollsträndige Pressemitteilung finden Sie hier!

In der Zeitschrift stern ist ein spannender Artikel über einen Fall aus der Ambulanz für Allergologie am Forschungszentrum Borstel erscheinen. 

Titel:  "Warum ein Erdnussallergiker einen allergischen Schock bekam - ohne je eine Erdnuss gegessen zu haben"

Autor: Nicole Heissmann

Interviewpartner: Prof. Dr. Uta Jappe, Leiterin der Ambulanz für Allergologie am Forschungszentrum Borsten, Leibniz Lungenzentrum

Link: https://www.stern.de/gesundheit/gesund-leben/erdnussallergiker-bekommt-allergischen-schock---ohne-je-eine-erdnuss-gegessen-zu-haben-8436816.html

 

In einer aktuellen Studie konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Leitung des Forschungszentrums Borstel und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) die Anpassungsfähigkeit von Tuberkulose-Bakterien (TB-Bakterien) in der „Ära der Antibiotika“ zeigen. Über 30 Jahre hinweg wurde der Erwerb von bis zu acht verschiedenen Antibiotikaresistenzen zurückverfolgt. Die ersten multiresistenten TB-Bakterien in Zentralasien entstanden wahrscheinlich bereits zu Zeiten der ehemaligen Sowjetunion und wurden durch unwirksame Therapien, Eigenbehandlung und mangelhafte Diagnostik selektioniert. Genetische Anpassungs-mechanismen führten anschließend zu weiteren Resistenzen, die auch modernste Therapien an ihre Grenzen bringen und die Wirksamkeit von neuen Medikamenten gefährden.

Warum können sich multiresistente Krankheitserreger immer weiter ausbreiten und wie schnell entwickeln sich Resistenzen gegen neue Medikamente? Um diese Fragen zu beantworten, haben Prof. Matthias Merker und Prof. Stefan Niemann vom Forschungszentrum Borstel und dem DZIF gemeinsam mit 13 weiteren renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen Ausbruch von multiresistenten TB-Bakterien in Usbekistan untersucht. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift eLife vorgestellt.

Durch die Analyse des gesamten Erbgutes der TB-Stämme konnten die Forscher die Entstehung einzelner Antibiotika-Resistenzen bis in die Zeiten der Sowjetunion zurückdatieren. In dieser Zeit gab es keine einheitlichen Behandlungskonzepte, wichtige Antibiotika für die Behandlung von einer resistenten TB waren in Apotheken frei verfügbar und in der Regel gab es keine Resistenzdiagnostik für die eingesetzten Medikamente. Zudem ging man davon aus, dass multiresistente Stämme in ihrem bakteriellen Wachstum sehr eingeschränkt sind und nur in einzelnen Fällen von Patient zu Patient übertragen werden können.

„Bei den heutigen multiresistenten Ausbrüchen finden wir jedoch immer häufiger so genannte kompensatorische Mutationen, die dieses Wachstumsdefizit ausgleichen. Das könnte wiederum zu einer erhöhten Übertragungsrate führen und dann zu weiteren Resistenzen“, erläutert Prof. Matthias Merker, einer der Erstautoren der Studie. Der Selektionsdruck durch die eingesetzten Medikamente und die schnelle Anpassung der TB-Bakterien brachte in Zentralasien einen besonders resistenten TB-Stamm hervor. Nahverwandte Vertreter dieses Stammes wurden ebenfalls in Russland und bei deutschen Patienten identifiziert. „Besonders Besorgnis erregend sind die hohen Resistenzraten und die Verbreitung dieser Bakterien über weite Teile Zentralasiens, Ost- und Mitteleuropa. Dies gefährdet vor allem den Erfolg neuer Medikamente und moderner Kombinationstherapien“ so Prof. Stefan Niemann, Leiter der Studie am Forschungszentrum Borstel und Koordinator des Forschungsbereichs „Tuberkulose“ im DZIF. „Um dieser Entwicklung vorzubeugen, bedarf es einer schnellen und weit verfügbaren Diagnostik, welche eine maßgeschneiderte, individualisierte Therapie für jeden Patienten mit einer multiresistenten Tuberkulose ermöglicht“, so Niemann.

Diesem Konzept folgt auch der jüngst bewilligte Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“, dem Niemann und Merker angehören. In einem Verbund der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, der Universität zu Lübeck und dem Forschungszentrum Borstel entwickeln Professoren und junge Nachwuchswissenschaftler Strategien und Methoden für neue maßgeschneiderte Therapien, die individuell auf die Patienten zugeschnitten werden.

Publikation:

Merker et al: Compensatory evolution drives multidrug-resistant tuberculosis in Central Asia. eLife 2018;7:e38200, doi: 10.7554/eLife.38200,

Link: https://elifesciences.org/articles/38200

Kontakt:

Prof. Stefan Niemann
Forschungszentrum Borstel
Leibniz Lungenzentrum
Parkallee 1
23845 Borstel
Telefon: 04537/188 7620
Mail: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
 
Prof. Matthias Merker
Forschungszentrum Borstel
Leibniz Lungenzentrum
Parkallee 1
23845 Borstel
Telefon: 04537/188 2750
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