Aktuelles zum Coronavirus

Physikalisches Plasma zur Bekämpfung von SARS-CoV-2

Am 2. Juni 2021 findet ein virtuelles Kick-off-Meeting zum Start eines dreijährigen Forschungsprojektes zur Bekämpfung von SARS-CoV-2 im Mund- und Nasen-Rachenraum unter Einsatz physikalischer Plasmen statt. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt 2 Mio. EUR gefördert.

Unter dem Projekttitel „PlasmaplusCorona (PPC) - Plasmabasierte Desinfektion des Respirationstraktes zur Senkung der SARS-CoV-2-Viruslast in vitro und in vivo“ forscht das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP) Greifswald zusammen mit dem Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB) sowie dem Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI) Hamburg an einer technischen Lösung zur lokalen Behandlung des Virus-infizierten Atemtraktes.

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Covid-Monitor am FZB: Alle wichtigen Daten im Blick!

Seit nun mehr einem Jahr führt die Medizinische Klinik Borstel, Leibniz Lungenzentrum ambulante SARS-CoV-2-Testungen durch.  Seitdem wurden an dem Drive-Thru-Testzentrum bereits über 11.000 Personen getestet.

Zusätzlich zu den Abstrichen wurden alle Personen zu Ihren Krankheitssymptomen, Risikofaktoren und den möglichen Ansteckungswegen befragt. Basierend auf diesen Daten wurde im letzten Jahr ein Monitoring-Tool entwickelt, das die Angaben aus den Befragungen und die Ergebnisse der Abstriche zusammenführt und die erhobenen Daten in Echtzeit analysiert und visualisiert.

Dieses Tool wurde nun um eine wichtige Funktion erweitert: Seit dieser Woche werden zusätzlich zu den bisher erhobenen Daten die Ergebnisse der Genomsequenzierungen angezeigt. Diese Daten stammen aus den positiven SARS-CoV-2-Proben des Drive-Thrus und aus dem UKSH und geben einen wöchentlichen Überblick über die Verbreitung der unterschiedlichen SARS-CoV-2 Varianten in Schleswig-Holstein. Die Genomsequenzierung wird direkt am Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum durch ein modernes Hochdurchsatzverfahren, dem sogenannten „Next Generation Sequencing“ Verfahren durchgeführt und durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein geförderten.

Die Daten zeigen, dass sich seit Anfang des Jahres die zuerst in Großbritannien beschriebene SARS-CoV-2 „variant of concern (VOC)“ 20I/501Y.V1 (B.1.1.7) auch in Schleswig-Holstein immer weiter ausbreitet. Seit dem ersten Vorkommen dieser Variante in der 2. KW 2021, nimmt der Anteil dieser leichter übertragbaren Virusvariante in den Proben immer weiter zu. In den aktuellen Sequenzierungsdaten der 9.KW kann man erkennen, dass sich die Variante 20I/501Y.V1 (B.1.1.7) – analog zu dem bundesweiten Trend - auch bei uns durchgesetzt hat und die vorherrschende Variante darstellt.

Weitere Informationen:

Covid-Monitor: https://covid-monitor.de

Corona Ambulanz am FZB: „Drive thru“ Corona-Virus Testung (fz-borstel.de)

Genomsequenzierung am FZB: Genomsequenzierung bestätigt Vorkommen der britischen SARS-CoV-2 Variante in Schleswig-Holstein.

 

 

 

 

Covid-19-Risiko steigt bei Pollenflug

Fliegen viele Pollen in der Außenluft, kommt es zu erhöhten Infektionsraten mit SARS-CoV-2. Dies hat ein internationales Team unter der Leitung von Forschenden der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München mit einer breit angelegten Studie gezeigt. Angehörige von Hochrisikogruppen könnten sich durch das Beobachten von Pollenflugvorhersagen und ein entsprechendes Tragen von Staubfiltermasken schützen.

Für diese Studie wurden Daten aus der Pollenmessstation am Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum genutzt. Diese Station wurde im Januar 2016 unter der Leitung von Dr. Nestor Gonzalez Roldan auf dem Dach der Medizinischen Klinik des Forschungszentrums Borstel in Betrieb genommen, um das Pollenspektrum in der Region zu erfassen. Die Station zählt zu den wenigen Stationen im Norden Deutschlands, die die Pollenaktivität ganzjährig misst.

Pressemitteilung von der Technischen Universität München (TUM) vom 08.03.2021:

Im Frühjahr 2020 schien der Ausbruch der Corona-Pandemie in der nördlichen Hemisphäre mit den Flugzeiten der Baumpollen zusammenzutreffen. Diese Beobachtungen nahm ein internationales Forschungsteam zum Anlass für eine umfassende Untersuchung: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten herausfinden, ob es einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Pollenkonzentration in der Luft und Infektionszahlen mit SARS-CoV-2 gibt.

Pollen beeinflussen als wichtiger Umweltfaktor die Infektionsraten erheblich

Unter der Federführung von Erstautor Athanasios Damialis sammelte das Team am Lehrstuhl für Umweltmedizin an der TUM Daten zu Pollenkonzentrationen in der Luft, zu meteorologischen Bedingungen und zu SARS-CoV-2-Infektionen – dabei wurden die Variationen der Infektionsrate von Tag zu Tag oder auch die Gesamtzahl positiv Getesteter berücksichtigt. In ihre Berechnung bezogen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch Daten zu Besiedelungsdichte und zu Effekten von Lockdowns ein. Die 154 Forschenden analysierten Pollendaten von 130 Stationen in 31 Ländern auf fünf verschiedenen Kontinenten.

Das Team zeigte, dass luftgetragene Pollen im Durchschnitt 44 Prozent der Varianz der Infektionsraten erklären können – manchmal spielten hier aber auch Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur eine Rolle. An Orten ohne Lockdown-Regelungen stieg die Infektionsrate im Schnitt um vier Prozent, wenn sich die Anzahl der Pollen in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöhte. In manchen deutschen Städten beispielsweise kamen im Untersuchungszeitraum zeitweise pro Tag bis zu 500 Pollen auf einen Kubikmeter – was insgesamt zu einem Anstieg der Infektionsraten um mehr als 20 Prozent führte. Galten in den untersuchten Gebieten Lockdown-Regeln, halbierte sich die Zahl der Infektionen im Schnitt jedoch bei vergleichbarer Pollenkonzentration in der Luft.

Pollenflug schwächt Körperabwehr

Der Grund: Wenn Pollen fliegen, reagiert die Körperabwehr in abgeschwächter Form auf Viren der Atemwege, die verantwortlich für Schnupfen und Erkältungen sind. Wenn ein Virus in den Körper gelangt, produzieren infizierte Zellen üblicherweise Signalproteine – auch bei SARS-CoV-2. Diese sogenannten antiviralen Interferone rufen benachbarte Zellen dazu auf, ihre antivirale Abwehr zu verstärken, um die Eindringlinge in Schach zu halten. Außerdem wird eine ausbalancierte Entzündungsreaktion aktiviert, um die Viren zu bekämpfen.

Ist allerdings die Pollenkonzentration in der Luft hoch und werden neben Viren auch Pollen eingeatmet, werden weniger solcher antiviralen Interferone produziert. Auch die eigentlich heilsame Entzündungsreaktion wird beeinflusst. Wenn viele Pollen fliegen, kann die Zahl der Atemwegserkrankungen daher ansteigen – dies gilt auch für Covid-19. Dabei spielt es keine Rolle, ob Betroffene an Allergien gegenüber diesen Pollen leiden oder nicht.

„Man kann nicht vermeiden, luftgetragenen Pollen ausgesetzt zu sein“, sagt Stefanie Gilles, ebenfalls Erstautorin der Studie. „Personen, die zu Hochrisikogruppen gehören, sollten deshalb darüber informiert sein, dass erhöhte Pollenkonzentrationen in der Luft anfälliger gegenüber viralen Infekten der Atemwege machen.“ Athanasios Damialis betont: „Betrachtet man die Verbreitung des SARS-CoV-2, müssen Umweltfaktoren wie Pollen mit in die Rechnung aufgenommen werden. Das Wissen um diese Auswirkungen eröffnet neue Wege für die Prävention und Abmilderung von Covid-19.“

Staubfiltermasken schützen

Was also können Personen, die Risikogruppen angehören, tun, um sich zu schützen? Letztautorin Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin für Umweltmedizin, rät, in den nächsten Monaten die Pollenflugvorhersagen zu Rate zu ziehen. Sie sagt: „Staubfiltermasken zu tragen, wenn die Pollenkonzentration hoch ist, kann das Virus und den Pollen gleichermaßen von den Atemwegen fernhalten.“


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Univ.-Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann
Direktorin Institut für Umweltmedizin
Technische Universität München & Helmholtz Zentrum München
E-Mail: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Dr. Athanasios Damialis
Gruppenleiter “Aerobiology”
Technische Universität München & Helmholtz Zentrum München
E-Mail: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

PD Dr. Stefanie Gilles
Gruppenleiterin “Environmental Immunology”
Technische Universität München & Helmholtz Zentrum München
E-Mail: stefanie.gilles@tum

Originalpublikation:

A. Damialis, S. Gilles et. al.: Higher airborne pollen concentrations correlated with increased SARS-CoV-2 infection rates, as evidenced from 31 countries across the globe
In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), März 2021
DOI: 10.1073/pnas.2019034118

S. Gilles, C. Blume et al.:
Pollen exposure weakens innate defense against respiratory viruses.
Allergy. March 2020, 75(3):576-587.
DOI: 10.1111/all.14047

Genomsequenzierung bestätigt Vorkommen der britischen SARS-CoV-2 Variante in Schleswig-Holstein.

Wissenschaftler*innen des Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum, in Zusammenarbeit mit dem UKSH und Forschungsgruppen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, haben durch Genomsequenzierung erste Einblicke in das Vorkommen von SARS-CoV-2 Varianten in Schleswig-Holstein in den Jahren 2020 und 2021 gewonnen. Die Ergebnisse zeigen, dass in der „ersten Welle“ im Jahr 2020 unterschiedliche Virusvarianten im Vergleich zur „zweiten Welle“ im Jahr 2021 vorkommen. In den Virusproben aus 2021 dominieren Viren der Linie 20A.EU1 (B.1.177), es konnte auch die zuerst in Großbritannien beschriebene SARS-CoV-2 „variant of concern“ 20I/501Y.V1 (B.1.1.7) nachgewiesen werden. Die weitere Dynamik der Virusvarianten wird nun in dem durch das Land Schleswig-Holstein geförderten COVID-19-SH NET Projekt prospektiv analysiert.

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Corona-Ambulanz bietet nun auch Antigen-Schnelltest an

Seit dem 25.01.2021 führt die Medizinische Klinik am Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum, ambulante Antigen-Testungen auf das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) durch. Die Kosten für diesen Schnelltest liegen bei 30 Euro und werden vor Ort per EC-Karte bezahlt. Das Antigen-Schnelltestergebnis liegt nach Abnahme innerhalb von 15-30 Minuten vor.

Alle Informationen zu unser Corona-Ambulanz erhalten Sie hier.