Periskope-TB: Meilenstein in der Tuberkuloseprävention

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Dr. Rishi Gupta von dem University College in London hat eine neue Software entwickelt, die anhand eines validierten Modells das individuelle Risiko einer Tuberkuloseerkrankung berechnet. Diese Applikation könnte bei der Entscheidungsfindung, ob eine langwierige TB-Präventionsbehandlung eingeleitet werden sollte in Zukunft von enormer Bedeutung sein.  Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden nun in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht. Auch Wissenschaftler*innen des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) waren an dieser Arbeit maßgeblich beteiligt.

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Zur Umsetzung seiner translationalen Forschungsagenda („from bench to bedside“, „from bedside to bench“) benötigt das FZB Zugang zu Infrastruktur und Patienten einer Lungenfachklinik mit einer Infektiologie.
Diese Klinik ist seit Gründung des Forschungszentrums (1947) auf dem eigenen Campus angesiedelt und wird unter eigener Regie geführt. Die räumliche Nähe ist Garant für einen engen Austausch zwischen Wissenschaftler*innen und Ärzt*innen, um eine optimale translationale Forschung auf dem am FZB erzielten, exzellenten Niveau möglich zu machen. Auch deshalb werden derzeit die Neubauten für Forschungslaboratorien auf dem Campus (Richtfest: Oktober 2020) für ca. 60 Mio Euro in unmittelbarer Nähe der Klinik errichtet.

Die Klinikleitung hat in den letzten Jahren eine Reihe von strategischen Maßnahmen getroffen, um die wirtschaftliche Perspektive der Klinik zu sichern. Dazu gehört eine zweite akademische Anbindung mit dem UKE als akademisches Lehrkrankenhaus (neben dem UKSH, Campus Lübeck), die Zentralisierung externer Laborleistungen bei einem niedergelassenen Großlabor und die Beantragung der Zertifizierung als Weaningzentrum durch das Institut für Lungenforschung. Mit den Segeberger Kliniken wurde ein Ausbildungsprogramm für Ärzt*innen in der Weiterbildung etabliert. Wissenschaftlich hat sich die Medizinische Klinik in den letzten Jahren enorm entwickelt und ist aktuell an Forschungsprojekten mit Förderung des Deutschen Zentrums für Lungenforschung, Deutschen Zentrums für Infektionsforschung, der Europäischen Union und des Bundesministeriums für Gesundheit beteiligt.

Auch in der Corona-Krise hat die Medizinische Klinik rasch reagiert. So wurden neue Intensivbetten-Kapazitäten geschaffen und eine Corona-Ambulanz mit Corona-Drive-Thru eingerichtet, in der bis heute >1700 Personen ambulant untersucht wurden.

In der Evaluierung durch die Patienten erreicht die Medizinische Klinik regelmäßig gute bis sehr gute Werte. Die Beschäftigten der Klinik zeichnen sich durch hohe Expertise und hohes persönliches Engagement aus. Die Klinik ist für ihre Expertise auf dem Gebiet der Lungenerkrankungen überregional bekannt und dafür, dass sich die Patient*innen in guten Händen befinden!

Die ökonomischen Veränderungen mit Zentralisierungen und Einsparungen am Gesundheitsmarkt erfolgen jedoch inzwischen so schnell, dass die Medizinische Klinik aufgrund ihrer geographischen Lage, ihrer Größe und bundes-gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen kaum wirtschaftlich zu betreiben ist. In den vergangenen zwei Jahren war die Bilanz des Haushalts der Klinik deutlich im Minus. Ein Finanzausgleich erfolgt zurzeit auch durch Reserven des Forschungszentrums Borstel, das aufgrund rechtlicher Bestimmungen diese Unterstützung jedoch nicht dauerhaft gewähren darf.

Das Forschungszentrum Borstel ist eine Stiftung; Teil der Stiftung ist eine Medizinische Klinik. In der Frage, wie auch zukünftig die Klinik wirtschaftlich betrieben werden kann, werden strategische Partnerschaften mit dem UKSH in Kiel, der LungenClinic in Großhansdorf und den Segeberger Kliniken geprüft. In den letzten Wochen hat das Direktorium, gemeinsam mit Vertretern des Wissenschafts- und Sozialministeriums, Gespräche mit diesen strategischen Partnern geführt, für die Vertraulichkeit der Inhalte vereinbart wurde. Hierbei ging und geht es darum, durch gemeinsame Steuerung von Patientenflüssen, Einkaufsgemeinschaften und Personalrotationen die Klinik in Borstel kosteneffektiver zu betreiben, sowie Schwerpunkte bei der Patientenversorgung zu setzen. Alle 3 möglichen Partner haben sich indes dafür ausgesprochen, aus verschiedenen Gründen den Betrieb der Klinik nach Kiel, Großhansdorf oder Bad Segeberg zu verlegen. Diese Vorschläge entsprechen nicht dem erklärten Willen des Direktoriums des FZB, welches sich primär für den Erhalt des Betriebs der Medizinischen Klinik auf dem eigenen Campus einsetzt.  

Um das strukturelle Defizit der Medizinischen Klinik auszugleichen, bemüht sich das Direktorium um den Erhalt der Klinik in Borstel durch Sonderfinanzierungsmittel. Hierzu wurde vom Zentrumsdirektor ein Konzept der bilateralen (Land und Bund) Finanzierung eines Sondertatbestands vorgelegt. Das Aufsichtsgremium des FZB (Kuratorium) hält diese Option weiterhin für möglich, mahnt jedoch an, dass gleichzeitig erhebliche Einsparmaßnahmen im Betrieb der Klinik vorgenommen werden müssen, um den Standort aufrecht zu erhalten. Die Klinikleitung hat sich daher zu einschneidenden Maßnahmen entschlossen. Dies betrifft z.B. die Kündigung von Verträgen mit Zeitarbeitsfirmen, die Reduktion von Betten sowie die Prüfung weiterer Einsparpotenziale bei Sachkosten für Medikamente und im Personalbereich. Das Direktorium möchte an dieser Stelle nochmals eindringlich Gerüchten entgegentreten, dass ein Verkauf der Klinik geplant ist.

Für den Fall, dass auch diese Maßnahmen nicht dauerhaft den Standort der Klinik in Borstel sicherstellen können, muss zur Erfüllung des Stiftungszwecks die klinische Anbindung des FZB an einem oder mehreren Standorten außerhalb Borstels ernsthaft geprüft werden. Die Vorzüge und Nachteile im Vergleich zur Beibehaltung des Standorts Borstel sowie Chancen und Risiken der verschiedenen Optionen sind von einer externen Beratungsfirma zusammengefasst, bewertet und dem Direktorium und Kuratorium vorgestellt worden. Das Kuratorium bat auf seiner letzten Sitzung am 30.9.2020 darum, noch wesentliche Punkte der Vertragsgestaltung, Leitungsstruktur, Kostenübernahme für notwendige Baumaßnahmen an anderen Standorten usw. zu klären, bevor eine Entscheidung gefällt werden kann. Ausdrücklich weiterhin eine Option ist dabei auch der Weiterbetrieb der Klinik in Borstel.

Die Situation ist durchaus ernst, aber auch nicht völlig neu. Das Direktorium wird alles in seiner Macht Stehende tun, um den Erhalt der Klinik zu sichern. Bislang ist es immer gelungen, eine Lösung im Sinne der Standorterhaltung und damit im Sinne der Arbeitsplatzsicherung zu finden. In jedem Fall setzt sich das Direktorium mit allem Nachdruck dafür ein, soziale Belastungen für die Beschäftigten zu verhindern.

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Prof. Brade war Arzt und Wissenschaftler und leitete von 1986 bis 2012 die Forschungsgruppe Biochemische Mikrobiologie (1986-2012). Er hat das Forschungszentrum und seine wissenschaftliche Agenda nachhaltig mitgeprägt.

Im Mittelpunkt seines wissenschaftlichen Interesses stand die Struktur und Funktion der Zellwandstruktur von Bakterien, insbesondere der Lipopolysaccharide (oder Endotoxine) gramnegativer Bakterien. Er hat als Arzt für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie seine profunden Kenntnisse der Struktur-Funktionsbeziehung von Lipopolysacchariden und Antikörpern dazu genutzt, um die Diagnostik und Therapie von Infektionen zu verbessern. So hat Helmut Brade gemeinsam mit seiner Frau Lore und seinem Team u.a. die Diagnostik der Chlamydien nachhaltig optimiert. Als echter Entrepreneur hat er zudem mit seinen „wissenschaftlichen Produkten“ das erste Start-up - Glycobiotech -  in Borstel erfolgreich auf den Weg  gebracht.

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Preisverleihung in Kiel mit Falko Menzel (FLO-Medizintechnik), PD Dr. Christian Herzmann (Forschungszentrum Borstel), Dr. Bernd Buchholz (Wirtschaftsminister Schleswig-Holstein), Dr. Klaus-Jürgen Wichmann und Dr. Christian Zöllner (Vorsitzender bzw. stellv. Vorsitzender der Werner-Petersen-Stiftung), von links nach rechts, Foto; Jan Steffen/GEOMAR Kiel

Dr. Stephan Rüller, Susanne Greve und PD Dr. Christian Herzmann gewinnen gemeinsam mit dem Unternehmen FLO-Medizintechnik den mit 20.000 Euro dotierten Innovationstransfer-Preis 2020 der Werner-Petersen-Stiftung. Die Preisverleihung fand am 15. September 2020 im Beisein des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers Dr. Bernd Buchholz in Kiel statt.

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Doppelte Freude in Borstel: Im August erhielt der Förderverein am Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum gleich zwei große Spenden, die den Patient*innen in der Medizinischen Klinik zu Gute kommen sollen.

Insgesamt 10 neuwertige Tablets stellte die Firma Airbus dem Förderverein zur Verfügung, damit Patient*innen, die über längere Zeit in Quarantäne sind und keinen Besuch empfangen dürfen, weiterhin mit ihren Familien und Freunden in Kontakt bleiben können. Die Tablets wurden Mitte August von Klaus-Friedrich Urban, Expert für In-Flight Entertainment Systeme bei AIRBUS, an den Förderverein übergeben. Die Geräte stammten aus einem Versuchsaufbau zum Thema drahtlose Entertainmentsysteme und hatten nach Beendigung des Tests bei Airbus keine Verwendung mehr. Als Klaus-Friedrich Urban hörte, dass in der Medizinischen Klinik solche Geräte dringend benötigt werden, stellte er über das Sponsorship and Donations-Tool des Unternehmens einen Antrag, die Geräte als Sachspende an den Förderverein des Forschungszentrums geben zu dürfen. Und das klappte schnell und reibungslos: „Für mich war es toll zu sehen, wie gut das Netzwerk innerhalb von Airbus funktioniert und wie schnell man Gutes tun kann“, fasst Klaus-Friedrich Urban zusammen.

Die zweite große Spende in Höhe von 2.000 Euro wurde von Angelika Wolf an Dr. Christian Herzmann, Vorsitzender der Fördervereins am Forschungszentrum Borstel, übergeben. Angelika Wolf ist Autorin und Herausgeberin des Buches Jugendjahre im Hühnerkamp Wald und Umgebung. Das Buch handelt von den Kinder- und Jugendjahren ihres Mannes und anderer Jugendlicher in den 1960er Jahre in Aukrug. Der Erlös des Bildbandes wurde zu 100% an den Förderverein gespendet   Mit dieser Spende sollen Sportgeräte für die Patient*innen, die über einen längeren Zeitraum an der Medizinischen Klinik in Behandlung sind, angeschafft werden.

Christian Herzmann bedankte sich im Namen des Vereins: „Mit diesen großzügigen Spenden wollen wir versuchen, dass unsere Patient*innen auch während ihres Klinikaufenthaltes in Kontakt mit ihrer Familie bleiben. Daher möchten wir virtuell Angehörige ans Patientenbett bringen, selbst wenn die Patienten isoliert werden müssen oder Besuchsverbot in den Kliniken herrscht.“

Angelika Wolf bei der Übergabe
des Spendenschecks an PD Dr. Christian Herzmann