In seiner Einführung ging Prof. Stefan Ehlers, Zentrumsdirektor des Forschungszentrums Borstel, auf die Schwerpunkte am FZB bei der Erforschung chronischer Lungenkrankheiten ein und zeigte exemplarisch, wie erfolgreich das Forschungszentrum bei der Bekämpfung der Tuberkulose ist. Durch schnellere, molekulare Diagnoseverfahren ist es dem Forschungszentrum und der Medizinischen Klinik am FZB gelungen, die Therapie vor allem bei der multiresistenten Tuberkulose zu verkürzen und zu verbessern. Während weltweit die Heilungsrate einer multiresistenten Tuberkulose nur bei 65% liegt, wird in der zum FZB gehörenden Medizinischen Klinik ein Therapieerfolg von 95% erreicht. Dieses Knowhow in Länder mit hohen TB-Fallzahlen zu bringen, ist ein wichtiger Schritt bei der Eindämmung der Tuberkulose. Ein weiterer wichtiger Punkt bei der erfolgreichen Bekämpfung von Infektionskrankheiten ist die personalisierte Behandlung. Dr. Bianca Schneider, Leiterin der Forschungsgruppe Koinfektionen, zeigte in ihrem Kurzvortrag anhand geschlechterspezifischer Unterschiede bei Männern und Frauen in der Tuberkulose, dass bei der Weiterentwicklung medizinischer Diagnostik und neuer Therapiemöglichkeiten der Stoffwechsel des Patienten mehr in den Vordergrund treten sollte, um maßgeschneiderte Lösungen für jeden Patienten anzubieten.

In der anschließenden, sehr regen Diskussion zwischen den Abgeordneten und den Wissenschaftler*innen wurde zum einen über strategische Fragen der Forschungsschwerpunkte, aber auch über die Arbeitsbedingungen am FZB gesprochen. Es wurde diskutiert, ob es sinnvoll wäre, dass das Forschungszentrum in Zukunft auch verstärkt an Impfstoffen für die Tuberkulose forschen sollte und wie und ob man die Expertise der Norddeutschen Forschungsstandorte noch mehr bündeln und vernetzen könnte, um sich im nationalen und internationalen Vergleich optimal zu positionieren.  Zudem wurde erörtert, warum es sich zunehmend schwierig gestaltet, Spitzenforscher aus dem In- und Ausland nach Borstel zu rekrutieren. Neben dem Standortnachteil spielt hierbei auch die Tatsache eine Rolle, dass das Wohnungsangebot auf dem Campus immer knapper wird und dass das FZB ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung keinen neuen Wohnraum für Auszubildende und internationale Wissenschaftler*innen schaffen kann. Auch die vertragsrechtlichen Bedingungen der Nachwuchsförderung und die Schaffung planbarer Karrierewege und Perspektiven für den wissenschaftlichen Mittelbau wurden erörtert.

Bei dem abschließenden Rundgang auf dem Campus bekamen die Abgeordneten einen praktischen Einblick in die Forschungsaktivitäten am FZB und besichtigten das Rasterkraftmikroskop der Biophysik und das NMR (Kernspin-Resonanz-Spektroskop) der Bioanalytischen Chemie. Angesichts der umfangreichen Baumaßnahmen auf dem Gelände machten die Wissenschaftler*innen am FZB deutlich, dass sie sich durch die Zuwendungsgeber aus Bund und Land sehr gut unterstützt fühlen, dass aber eine ständige Erneuerung auch der instrumentellen Ausrüstung erforderlich ist, um hochkarätige Forschung zu betreiben. Hier fehlen dem FZB die Mittel bzw. der Zugriff auf die nötigen Fördermöglichkeiten, um international weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben. Das FZB benötigt in diesem Bereich zusätzliche Unterstützung seitens der Politik, damit in Schleswig-Holstein und im Hinblick auf die Entwicklung ländlicher Räume weiterhin Forschung auf höchstem Niveau betrieben werden kann.

Der Zentrumsdirektor betonte zum Schluss: „Wir freuen uns immer sehr, wenn sich Bundestagsabgeordnete bei einem Besuch vor Ort einen persönlichen Eindruck über die Arbeits- und Forschungsbedingungen und die Leistungsfähigkeit des Leibniz Lungenzentrums Borstel verschaffen. Im Gespräch erleben wir immer wieder, dass die Politiker*innen dann beeindruckt sind über die Forschungserfolge, die auch der Breite der Expertise am FZB geschuldet sind, und gut nachvollziehen können, dass Spitzenforschung auch eine Spitzen-Geräte-Ausstattung und Spitzenkräfte benötigt, um erfolgreich zu sein.“