Pressemitteilungen 2020

Statements des Direktoriums und des Betriebsrats in Sachen Medizinische Klinik Borstel

Zur Umsetzung seiner translationalen Forschungsagenda („from bench to bedside“, „from bedside to bench“) benötigt das FZB Zugang zu Infrastruktur und Patienten einer Lungenfachklinik mit einer Infektiologie.
Diese Klinik ist seit Gründung des Forschungszentrums (1947) auf dem eigenen Campus angesiedelt und wird unter eigener Regie geführt. Die räumliche Nähe ist Garant für einen engen Austausch zwischen Wissenschaftler*innen und Ärzt*innen, um eine optimale translationale Forschung auf dem am FZB erzielten, exzellenten Niveau möglich zu machen. Auch deshalb werden derzeit die Neubauten für Forschungslaboratorien auf dem Campus (Richtfest: Oktober 2020) für ca. 60 Mio Euro in unmittelbarer Nähe der Klinik errichtet.

Die Klinikleitung hat in den letzten Jahren eine Reihe von strategischen Maßnahmen getroffen, um die wirtschaftliche Perspektive der Klinik zu sichern. Dazu gehört eine zweite akademische Anbindung mit dem UKE als akademisches Lehrkrankenhaus (neben dem UKSH, Campus Lübeck), die Zentralisierung externer Laborleistungen bei einem niedergelassenen Großlabor und die Beantragung der Zertifizierung als Weaningzentrum durch das Institut für Lungenforschung. Mit den Segeberger Kliniken wurde ein Ausbildungsprogramm für Ärzt*innen in der Weiterbildung etabliert. Wissenschaftlich hat sich die Medizinische Klinik in den letzten Jahren enorm entwickelt und ist aktuell an Forschungsprojekten mit Förderung des Deutschen Zentrums für Lungenforschung, Deutschen Zentrums für Infektionsforschung, der Europäischen Union und des Bundesministeriums für Gesundheit beteiligt.

Auch in der Corona-Krise hat die Medizinische Klinik rasch reagiert. So wurden neue Intensivbetten-Kapazitäten geschaffen und eine Corona-Ambulanz mit Corona-Drive-Thru eingerichtet, in der bis heute >1700 Personen ambulant untersucht wurden.

In der Evaluierung durch die Patienten erreicht die Medizinische Klinik regelmäßig gute bis sehr gute Werte. Die Beschäftigten der Klinik zeichnen sich durch hohe Expertise und hohes persönliches Engagement aus. Die Klinik ist für ihre Expertise auf dem Gebiet der Lungenerkrankungen überregional bekannt und dafür, dass sich die Patient*innen in guten Händen befinden!

Die ökonomischen Veränderungen mit Zentralisierungen und Einsparungen am Gesundheitsmarkt erfolgen jedoch inzwischen so schnell, dass die Medizinische Klinik aufgrund ihrer geographischen Lage, ihrer Größe und bundes-gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen kaum wirtschaftlich zu betreiben ist. In den vergangenen zwei Jahren war die Bilanz des Haushalts der Klinik deutlich im Minus. Ein Finanzausgleich erfolgt zurzeit auch durch Reserven des Forschungszentrums Borstel, das aufgrund rechtlicher Bestimmungen diese Unterstützung jedoch nicht dauerhaft gewähren darf.

Das Forschungszentrum Borstel ist eine Stiftung; Teil der Stiftung ist eine Medizinische Klinik. In der Frage, wie auch zukünftig die Klinik wirtschaftlich betrieben werden kann, werden strategische Partnerschaften mit dem UKSH in Kiel, der LungenClinic in Großhansdorf und den Segeberger Kliniken geprüft. In den letzten Wochen hat das Direktorium, gemeinsam mit Vertretern des Wissenschafts- und Sozialministeriums, Gespräche mit diesen strategischen Partnern geführt, für die Vertraulichkeit der Inhalte vereinbart wurde. Hierbei ging und geht es darum, durch gemeinsame Steuerung von Patientenflüssen, Einkaufsgemeinschaften und Personalrotationen die Klinik in Borstel kosteneffektiver zu betreiben, sowie Schwerpunkte bei der Patientenversorgung zu setzen. Alle 3 möglichen Partner haben sich indes dafür ausgesprochen, aus verschiedenen Gründen den Betrieb der Klinik nach Kiel, Großhansdorf oder Bad Segeberg zu verlegen. Diese Vorschläge entsprechen nicht dem erklärten Willen des Direktoriums des FZB, welches sich primär für den Erhalt des Betriebs der Medizinischen Klinik auf dem eigenen Campus einsetzt.  

Um das strukturelle Defizit der Medizinischen Klinik auszugleichen, bemüht sich das Direktorium um den Erhalt der Klinik in Borstel durch Sonderfinanzierungsmittel. Hierzu wurde vom Zentrumsdirektor ein Konzept der bilateralen (Land und Bund) Finanzierung eines Sondertatbestands vorgelegt. Das Aufsichtsgremium des FZB (Kuratorium) hält diese Option weiterhin für möglich, mahnt jedoch an, dass gleichzeitig erhebliche Einsparmaßnahmen im Betrieb der Klinik vorgenommen werden müssen, um den Standort aufrecht zu erhalten. Die Klinikleitung hat sich daher zu einschneidenden Maßnahmen entschlossen. Dies betrifft z.B. die Kündigung von Verträgen mit Zeitarbeitsfirmen, die Reduktion von Betten sowie die Prüfung weiterer Einsparpotenziale bei Sachkosten für Medikamente und im Personalbereich. Das Direktorium möchte an dieser Stelle nochmals eindringlich Gerüchten entgegentreten, dass ein Verkauf der Klinik geplant ist.

Für den Fall, dass auch diese Maßnahmen nicht dauerhaft den Standort der Klinik in Borstel sicherstellen können, muss zur Erfüllung des Stiftungszwecks die klinische Anbindung des FZB an einem oder mehreren Standorten außerhalb Borstels ernsthaft geprüft werden. Die Vorzüge und Nachteile im Vergleich zur Beibehaltung des Standorts Borstel sowie Chancen und Risiken der verschiedenen Optionen sind von einer externen Beratungsfirma zusammengefasst, bewertet und dem Direktorium und Kuratorium vorgestellt worden. Das Kuratorium bat auf seiner letzten Sitzung am 30.9.2020 darum, noch wesentliche Punkte der Vertragsgestaltung, Leitungsstruktur, Kostenübernahme für notwendige Baumaßnahmen an anderen Standorten usw. zu klären, bevor eine Entscheidung gefällt werden kann. Ausdrücklich weiterhin eine Option ist dabei auch der Weiterbetrieb der Klinik in Borstel.

Die Situation ist durchaus ernst, aber auch nicht völlig neu. Das Direktorium wird alles in seiner Macht Stehende tun, um den Erhalt der Klinik zu sichern. Bislang ist es immer gelungen, eine Lösung im Sinne der Standorterhaltung und damit im Sinne der Arbeitsplatzsicherung zu finden. In jedem Fall setzt sich das Direktorium mit allem Nachdruck dafür ein, soziale Belastungen für die Beschäftigten zu verhindern.

Geschäftsleitung und Betriebsrat stehen bei dieser Thematik Seite an Seite. Der Betriebsrat verweist in seiner Stellungnahme darauf, dass das FZB einer der größten Arbeitgeber im Kreis Segeberg ist und Schicksale von 218 Klinik-Mitarbeitenden auf dem Spiel stehen:

„Gerade in der aktuellen Corona-Situation ist es unsere oberste Priorität, die Lungenfachklinik des Forschungszentrums Borstel zu erhalten. Zudem sind wir eins von fünf offiziell eingerichteten Corona-Testzentren, das auch die Lehrertestungen im gesamten Kreis Segeberg ambulant vor Ort in den Schulen und Kindertagesstätten vornimmt. Ebenso sind wir in der Lage, jederzeit Corona-Patient*innen aufzunehmen – da wir als Lungenfachklinik über hochqualifiziertes Fachpersonal verfügen. Auch unser exzellentes Schlaflabor wird von Patient*innen aus aller Welt aufgesucht, so dass lange Wartelisten für die Behandlung entstehen (FZB-Klinik eigenes Patent für ein spezielles Beatmungsgerät).

In unserem pneumologischen Medizinischen Versorgungszentrum und unserer Spezialambulanz kann für ambulante Patient*innen eine Vielzahl von Untersuchungsmethoden und Behandlungs-möglichkeiten (z.B. Asthma, Allergie, COPD, Hypersensibilisierung, Nachbehandlung von Lungenerkrankungen, Onkologie) angeboten werden. Nicht zu vergessen ist die schwierige und langwierige Behandlung von Tuberkulosekranken. Durch unsere speziell dafür ausgebildeten Fachärzt*innen wird diese schwere und hoch ansteckende Erkrankung stationär erfolgreich behandelt.

Damit ist der Standort Borstel für viele Patient*innen ein wichtiges Ziel, um die entsprechende Expertise und Kompetenz in Verbindung mit persönlicher Betreuung im ländlichen Sektor zu erhalten. Hier kennen wir unsere Patient*innen beim Namen!

Unser klares Ziel: Die Klinik und alle unsere Kolleg*innen müssen am Standort Borstel erhalten bleiben!“

Das Forschungszentrum Borstel ist das Lungenzentrum der Leibniz Gemeinschaft, einer Wissenschaftsgemeinschaft des Bundes und der Länder, die das Motto „Exzellenz mit Relevanz“ auf ihre Fahnen geschrieben hat. Die Wissenschaft am FZB ist, auch nach Meinung einer Expertenkommission, die das Zentrum inhaltlich und strategisch 2019 intensiv geprüft hat, international renommiert und ausgezeichnet. Die Medizinische Klinik am FZB sorgt für Relevanz, d.h. die Übertragung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in den Klinikalltag zum Nutzen der Patientinnen und Patienten mit Lungenerkrankungen. Exzellenz mit Relevanz heißt daher im Falle Borstels: Forschungszentrum mit angeschlossener Klinik – beide gehören untrennbar zusammen!

Kontakt:

Anfragen per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Download: