Infektionsimmunologie
Tuberkulose (TB) ist eine chronische Infektionskrankheit der Lunge, verursacht durch Mycobacterium tuberculosis. Nach der Übertragung über Aerosole gelangt der Erreger in die Alveolen, wo er von Immunzellen aufgenommen und in sogenannten Granulomen eingeschlossen wird. In den meisten Fällen kann das Immunsystem die Infektion kontrollieren, sodass eine latente TB entsteht. Bei etwa 5–10 % der Infizierten versagt diese Immunbarriere, begünstigt durch Faktoren wie Unterernährung, Diabetes oder HIV. Dies führt zu fortschreitender Lungenschädigung und zur aktiven TB mit Symptomen wie Husten, Gewichtsverlust und Nachtschweiß.
Die TB-Therapie bleibt trotz Antibiotika anspruchsvoll. Medikamentenempfindliche TB wird sechs Monate lang mit einer Kombination aus Rifampicin, Isoniazid, Pyrazinamid und Ethambutol behandelt. Schwieriger ist die Therapie medikamentenresistenter TB (MDR/XDR-TB), bei der Standardmedikamente unwirksam sind. Hier werden langwierige Kombinationen neuer Wirkstoffe wie Bedaquilin, Pretomanid und Linezolid eingesetzt, die jedoch oft toxisch sind und nicht immer zur Heilung führen. Auch nach erfolgreicher antimikrobieller Therapie können langfristige Lungenschäden bestehen bleiben. Diese sogenannte posttuberkulöse Lungenerkrankung (PTLD) ist gekennzeichnet durch irreversible strukturelle Veränderungen, chronische Atemwegsobstruktion und eingeschränkte Lungenfunktion, die Lebensqualität und Mortalität nachhaltig beeinträchtigen können.
Das Granulom ist die zentrale immunologische Struktur der TB und der Ort, an dem sich entscheidet, ob eine Infektion kontrolliert oder zur Erkrankung fortschreitet. In einem schützenden Granulom ist die Immunantwort funktionell organisiert, sodass langlebige Immunzellen das Bakterium effektiv eindämmen und gleichzeitig Gewebeschäden begrenzen. In schweren Krankheitsverläufen entwickeln sich hingegen schädigende Granulome, die durch Nekrose, Fibrose und ein immunsuppressives Milieu gekennzeichnet sind und das Überleben des Erregers begünstigen. Gleichzeitig stellt das Granulom den entscheidenden Wirkort von Antibiotika dar, deren Wirksamkeit maßgeblich von der Struktur, Immunzusammensetzung und Zugänglichkeit dieser Läsionen abhängt.
Die Forschungsgruppe Infektionsimmunologie verfolgt daher das Ziel, die immunologischen schützenden und schädigenden Mechanismen der TB in granulomatösen Lungenläsionen aufzuklären, um neue therapeutische Angriffspunkte gegen aktive, resistente und persistierende Infektionen zu identifizieren. Durch einen translationalen Ansatz verbindet die Gruppe die präklinische Wirkstoffentwicklung und Immunmodulation in experimentellen Mausmodellen, um effektivere Therapien zu ermöglichen und langfristige Folgeschäden wie die PTLD zu verhindern.
Schützende Granulome
Schützende Granulome können eine Infektion mit Mycobacterium tuberculosis langfristig unterdrücken. Sie sind funktionell organisiert und enthalten langlebige Immunzellen, die eine bakterielle Kontrolle ermöglichen. Diese Form protektiver Immunorganisation wird unter anderem durch entzündungsfördernde T-Helferzellen (Th) der Typen Th1 und Th17 unterstützt, welche spezifische Signale zur Aktivierung infizierter Makrophagen geben und antibakterielle Mechanismen in der Lunge verstärken. Gleichzeitig wird ihre Aktivität durch hemmende Zytokine reguliert, um Gewebeschäden zu begrenzen. Insbesondere das proinflammatorische Zytokin Interleukin (IL)-17, welches hauptsächlich durch Th17-Zellen und Gamma-Delta-T-Zellen produziert wird, spielt während der Granulomentwicklung eine wichtige Rolle. Um ein detaillierteres Verständnis der Zytokin-vermittelten Steuerungsmechanismen zur Etablierung und Aufrechterhaltung schützender Granulome zu gewinnen, interessiert sich die Forschungsgruppe Infektionsimmunologie für die differenzielle Bedeutung von Zytokinen und Zytokinrezeptoren, die mit der ubiquitären Rezeptoruntereinheit gp130 assoziiert sind. In diesem Zusammenhang konnten wir zeigen, dass das gp130-abhängige Zytokin IL-6 eine untergeordnete Rolle für die Entwicklung IL-17A-exprimierender Th17-Zellen während einer experimentellen Tuberkulose (TB) spielt, im Gegensatz zu seiner Schlüsselrolle bei der Induktion von Th17-Immunantworten im Rahmen anderer Entzündungskrankheiten. Das Fehlen von IL-6 oder gp130 auf T-Zellen hat dabei einen geringen Einfluss auf die Eindämmung der Infektion. Demgegenüber führt eine globale Defizienz für die Zytokinrezeptor-Untereinheit IL-27Rα in M. tuberculosis-infizierten Mäusen zu einer geringeren bakteriellen Last, gleichzeitig aber auch zu einer erhöhten Immunpathologie. IL-27Rα formt zusammen mit gp130 den Rezeptor des heterodimeren Zytokins IL-27. Die verstärkte Eindämmung der Mykobakterien wird in IL-27Rα-defizienten Mäusen von der Bildung hochstrukturierter schützender Granulome begleitet, welche sich aus einem Kern infizierter Makrophagen, umgeben von einem Saum protektiver T- und B-Zellen zusammensetzen. Durch die Analyse des Verlaufs einer M. tuberculosis-Infektion in IL-27Rα x IL-17A-doppelt-defizienten Mäusen konnten wir weiterführend zeigen, dass sich die schützende Wirkung einer IL-27Rα-Defizienz abhängig von der korrelierend auftretenden erhöhten Expression des Zytokins IL-17A darstellt. IL-27 scheint damit die Ausbildung einer schützenden Immunantwort gegen M. tuberculosis teilweise durch die Inhibition von IL-17A zu limitieren. Zugleich führt die Eindämmung der IL-17A-Expression durch IL-27 aber auch zu einer Verminderung immunpathologischer Konsequenzen. Zuletzt konnten wir in Mäusen mit einer Zelltyp-spezifischen Defizienz IL-27Rα-vermittelter Signalgebung in regulatorischen T-Zellen demonstrieren, dass die hemmende Wirkung von IL-27 auf die Ausbildung schützender Granulome teilweise auf eine direkte IL-27-vermittelte Induktion dieser immunsuppressiv wirkenden Zellen zurückzuführen ist (Abb. 1). Insgesamt bilden diese Arbeiten entscheidende Grundlagen zur weiterführenden Entwicklung adjuvanter Therapiestrategien mit dem Ziel die Architektur granulomatöser Lungenläsionen durch gezielte Immunmodulation zu optimieren.
Literatur: Ritter & Behrends et al. 2022 Cells.; Ritter et al. 2022 Front Immunol.; Ritter et al. 2021 J Mol Med (Berl); Ritter & Sodenkamp et al. 2020 Cells.; Ritter et al. 2020 Cells.; Erdmann & Behrends et al. 2018 Mucosal Immunol.; Sodenkamp et al. 2012 Immunobiology.; Sodenkamp et al. 2011 Eur J Cell Biol.; Hölscher et al. 2005 J Immunol.
Das Komplementsystem vermittelt eine frühzeitige Erkennung und Abwehr von Infektionserregern und ist ein zentraler Pfeiler der angeborenen Immunantwort. Allerdings ist die Bedeutung des Komplementsystems in der TB bisher kaum untersucht worden, und es ist nicht bekannt, ob die Proteinkaskade zu einem erhöhten Schutz oder Schaden beiträgt. Bezüglich der Interaktion von Komponenten des Komplement Systems mit Mykobakterien konnten wir kürzlich zeigen, dass unterschiedliche klinische Isolate des M. tuberculosis-Komplexes Komplementproteine binden und die Komplement-Kaskade aktivieren. Außerdem deuten unsere ersten in vivo Untersuchungen auf einen Einfluss der Anaphylatoxin-vermittelten Entzündungsreaktion auf die Ausbildung von TB Granulomen. Zukünftige Studien sollen die Komplement-vermittelte Immunantwort und Pathophysiologie näher charakterisieren, mit dem Ziel, die Komplementmodulation als potentielle adjuvante Therapie zu validieren.
Literatur: Duque et al. 2025 J Immunol; Krusch 2018 Promotion.
Schädigende Granulome
Schädigende Granulome entstehen durch eine fehlgeleitete Immunantwort, bei der protektive Mechanismen der Erregerkontrolle in gewebszerstörende Prozesse umschlagen. Das zentrale histopathologische Merkmal der humanen TB, die zentrale Granulomnekrose nach Infektion mit M. tuberculosis, tritt dabei in Standard-Versuchsmäusen typischerweise nicht auf. Basierend auf unseren Untersuchungen in TB-Patienten beschrieb die Forschungsgruppe Infektionsimmunologie einen funktionellen SNP im IL4RA-Gen, der mit einer verstärkten Signaltransduktion und einer schwereren pulmonalen Pathologie assoziiert ist. Daraus ergab sich für uns die Hypothese, dass eine Th2-dominierte, über den IL-4Rα vermittelte Immunantwort maßgeblich zur TB-Pathologie beiträgt. Da konventionelle Mäuse nach Infektion mit M. tuberculosis keine entsprechende Th2-Immunantwort entwickeln, haben wir IL-13-überexprimierende Mäuse mit M. tuberculosis infiziert. In diesen Tieren führte die IL-13-getriebene Th2-Immunantwort über den IL-4Rα-Signalweg zur Ausbildung zentral nekrotisierender Granulome, welche das wesentliche histopathologische Merkmal der humanen postprimären TB sind. Damit verfügt die Forschungsgruppe Infektionsimmunologie über ein experimentelles Modell, das es ermöglicht, nachgeschaltete immunologische und metabolische Mechanismen der TB-assoziierten Gewebspathologie gezielt zu analysieren. In diesem Kontext kommt es zu einer ausgeprägten alternativen Aktivierung von Makrophagen mit starker Arginase-1-Expression, Lipidanreicherung und Bildung eines hypoxischen, von einer Kollagenkapsel umgebenen nekrotischen Granulomkerns. Diese Arginase-1-positiven Schaummakrophagen fördern sowohl den pathologischen Gewebeumbau als auch die bakterielle Persistenz innerhalb des Granuloms. Ergänzend konnten wir zeigen, dass schädigende Granulomnekrosen auch unabhängig von IL-13 induzierbar sind, wenn der NOS2-abhängige antimikrobielle Stoffwechselweg pharmakologisch durch den Inhibitor L-NIL blockiert wird. In Standard C57BL/6-Mäusen führt diese gezielte Hemmung zu einer Verschiebung des L-Arginin-Metabolismus hin zur Arginase-1-Aktivität und zur Ausbildung zentral nekrotischer Granulome mit fibrotischem Kollagenring. Entscheidend ist, dass diese Pathologie in Mäusen mit Makrophagen-spezifischem Knockout von Arginase-1 vollständig aufgehoben wird, obwohl die NOS2-Hemmung bestehen bleibt (Abb. 2). Damit belegen die Arbeiten der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie, dass Arginase-1-abhängige Mechanismen ein zentraler, gemeinsamer Endpunkt schädigender Granulombildung sind und maßgeblich zur Pathologie, Therapieresistenz und Progression der TB beitragen.
Nicht nur IL-13tg-Mäuse, auch C3HeJ/FeB-Mäuse entwickeln im Gegensatz zu Standard Inzuchtstämmen wie C57BL/6 die für die humane TB typische granulomatöse Pathologie mit zentraler Nekrose, Fibrose und hypoxischen Mikroumgebungen (Abb. 3). Beide Modelle bieten damit die Möglichkeit, gemeinsame pathogenetische Merkmale dieser ausgeprägten Läsionen zu identifizieren und auf dieser Basis bislang unbekannte, nachgeschaltete Mechanismen der TB-Pathologie aufzudecken sowie die Wirksamkeit von Antibiotika unter pathophysiologisch relevanten Bedingungen präklinisch zu evaluieren.
Literatur: Walter et al. 2022 Antimicrob Agents Chemother; Brandenburg et al. 2021 J Clin Invest; Lösslein et al. 2021 Nat Commun; Schmok et al. 2017 Front Immunol; Herrtwich et al. 2016 Cell; Hölscher et al. 2016 Mediators Inflamm; Heitmann et al. 2014 J Pathol; Schreiber et al. 2009 J Immunol.
Evaluation von Antibiotika in präklinischen Maus Modellen
Antibiotika-resistente M. tuberculosis Stämme stellen eine große Bedrohung für die globale Kontrolle der TB dar, weshalb neue Therapeutika dringend erforderlich sind. Die Medikamenten-Entwicklung gegen multiresistente TB (MDR-TB) benötigt eine präklinische Validierung in optimierten Tiermodellen, welche die pathophysiologischen Aspekte der humanen TB widerspiegeln, weil der komplexe Aufbau von zentral nekrotisierenden TB-Granulomen das Überleben von Mykobakterien begünstigt, jedoch die Wirksamkeit vieler Antibiotika verhindert. Daher hat die Forschungsgruppe Infektionsimmunologie in Kollaboration mit anderen Wissenschaftlern im Rahmen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) eine leistungsfähige präklinische Infrastruktur zur Evaluierung antimykobakterieller Wirkstoffe etabliert, welche auch in internationale Netzwerke (ERA4TB und UNITE4TB) eingebunden ist. Ein zentraler Baustein dieser präklinischen Plattform sind optimierte Mausmodelle (IL-13tg, C3HeB/FeJ), die eine humanähnliche Granulompathologie mit einem bakterienbeladenen, nekrotischen Kern und fibrotischer Kapsel ausbilden. Für eine umfassende in vivo Validierung neuartiger Therapeutika kombinieren wir diese optimierten Mausmodelle mit innovativen Methoden zur Wirkstoff-Detektion, wie Mass Spectrometry Imaging (MSI, Kollaboration mit Andreas Römpp, Universität Bayreuth) oder Laser Capture Microdissection (LCM) gekoppelte LC-MS/MS (Kollaboration mit Dominik Schwudke, Forschungszentrum Borstel). Außerdem ermöglicht die Kombination von LCM mit molekularen Methoden zur Detektion von M. tuberculosis (Molecular Bacterial Load Assay, MBLA) die Bestimmung der Erregerlast in nekrotischen Granulomen (Abb. 4). Im Rahmen dieser innovativen Infrastruktur haben wir das neuartige Antibiotikum BTZ-043 umfassend validiert. Dabei gelang der Nachweis, dass BTZ-043 zentral nekrotisierende Granulome vollständig penetriert, die Konzentration in diesen Läsionen deutlich über der in vitro minimalen Hemmkonzentration (1 ng/ml) liegt und dort antimykobakteriell wirksam ist (Abb. 5). Aufgrund dieser Eigenschaften hat BTZ-043 das Potential bereits eingesetzte TB-Antibiotika zu komplementieren und kann damit zu einer verkürzten Therapiedauer, Verhinderung von Reaktivierung und insbesondere zur Vermeidung von Antibiotika-Resistenzen beitragen. Die Wirksamkeit von Kombinationstherapien, die auf BTZ-043 basieren, wird derzeit in klinischen Studien (UNITE4TB und PanACEA) untersucht.
Abb.4. Präklinische Evaluierung von neuartigen Wirkstoffen im IL-13tg Maus-Modell mit humanähnlicher Pathologie. Die Infektion der Tiere mit M. tuberculosis, deren Behandlung mit Antibiotika und die Gewinnung von infiziertem Lungengewebe erfolgen in einer Laboranlage der biologischen Sicherheitsstufe 3. Nach Inaktivierung der Mykobakterien wird die Verteilung der Antibiotika im Lungengewebe mit Hilfe der Mass Spectrometry Imaging (MSI) Technik ermittelt. Die Konzentration der Medikamente in definierten pulmonalen Arealen wird durch die Kombination von Laser Capture Microdissection (LCM) und LC-MS/MS bestimmt. Die Überprüfung der antimykobakteriellen Aktivität in den Granulomen erfolgt mittels LCM und anschließender molekularer Detektion der Mykobakterien (Molecular Bacterial Load Assay, MBLA).
Darüber hinaus setzen wir in unserer präklinischen Infrastruktur auch das BALB/c Standard-Mausmodell ein, um die antimykobakterielle Aktivität von neuartigen Wirkstoffkandidaten in der akuten und chronischen M. tuberculosis Infektion zu analysieren. Zudem untersuchen wir im BALB/c relapse model die Reaktivierung der TB, und validieren die sterilisierende Wirkung neuartiger Antibiotika-Kombinationen.
Zusammenfassend trägt unsere präklinische Infrastruktur maßgeblich dazu bei, verbesserte Therapieoptionen für TB-Patienten zu entwickeln und die Entstehung von antimikrobiellen Resistenzen zu verhindern.
Literatur: Römpp et al. 2025 Nat Commun; Ngara et al. 2025 J Infect Dis; Walter & te Brake et al. 2024 J Antimicrob Chemother; Joch et al 2024 Eur J Med Chem; Walter et al. 2022 Antimicrob Agents Chemother; Kokesch-Himmelreich et. al 2022 Anal Chem; Treu et al. 2020 J Am Soc Mass Spectrom.
Immunmodulation im Granulom als Therapiestrategie
In einem umfassenden Forschungsprojekt untersucht die Forschungsgruppe Infektionsimmunologie, wie sich die Ausbildung nekrotischer Granulomläsionen durch gezielte Immunmodulation in IL-13tg- und C3HeB/FeJ-Mäusen therapeutisch beeinflussen lässt. Durch die Inhibition zentraler immunometabolischer und entzündlicher Signalwege – darunter Arg-1, p38MAPK, NLRP3, ACC2, IL-27Rα sowie Anaphylatoxin-Rezeptoren – wird das entzündliche und metabolische Milieu innerhalb der Granulome gezielt verändert, wodurch nekrotische Prozesse abgeschwächt und die Gewebearchitektur stabilisiert werden. Diese Modulation führt nicht nur zu einer verbesserten lokalen Immunbalance, sondern erleichtert auch die Penetration von Antibiotika in pathologisch veränderte Läsionen und erhöht damit deren Wirksamkeit unter krankheitsrelevanten Bedingungen. Während die Inhibition dieser Targets in C57BL/6-Mäusen bereits zu einer deutlichen Reduktion der pulmonalen Inflammation führt (Abb. 6), werden unsere IL-13tg- und C3HeB/FeJ-Modelle die Untersuchung dieser Ansätze in komplexen, humanähnlichen Granulomen ermöglichen. Das Projekt verbindet damit die mechanistische Aufklärung schädigender Immunantworten mit der Entwicklung adjuvanter, immunmodulatorischer Therapiestrategien zur Verbesserung bestehender Antibiotikaregime.
Literatur: Theobald et al. 2021 Cell Death Discov; Brandenburg et al. 2021 J Clin Invest; Hölscher et al. 2020 Sci Rep; Gräb et al. 2019 Nat Commun
Posttuberkulöse Lungenerkrankung
Etwa die Hälfte der erfolgreich therapierten TB-Patienten behält nach Behandlungsende anhaltende Beeinträchtigen der Lunge zurück. Unter dem Begriff „posttuberkulöse Lungenerkrankung“ (PTLD) wird ein breites Spektrum von Anomalien zusammengefasst, die sowohl die Atemwege als auch das Lungenparenchym, das Lungengefäßsystem und die Pleura betreffen können und unter anderem Bronchiektasien, Kavitationen und pulmonale fibrotische Veränderungen umfassen. Auf immunologischer Ebene ist die Ausbildung der PTLD typischerweise begleitet von einer Verschiebung in Richtung einer Th2-dominierten Immunantwort, einhergehend mit der alternativen Aktivierung von Makrophagen, welche zum Fortschreiten der Erkrankung beitragen. Eine verstärkte Expression von Th2-Zytokinen fördert zudem die Bildung von Kollagenablagerungen und die Proliferation von Fibroblasten, was zu Lungenfibrose und Vernarbung führt. Da das IL-13tg-Mausmodell nach der Infektion mit M. tuberculosis nicht nur durch die Bildung humanähnlicher zentral nekrotisierender Granulome charakterisiert ist, sondern durch seine IL-13-Überproduktion auch Schlüsselmerkmale von PTLD induziert, stellen diese Tiere ein hervorragendes Instrument zur Untersuchung dieser Erkrankung dar. Der Fokus des geplanten Projekts liegt dabei sowohl auf der detaillierten Analyse der immunpathologischen Faktoren, die mit den verschiedenen Formen der Erkrankung in Zusammenhang stehen, als auch auf Funktionsanalysen der Lunge, um schließlich durch eine gezielte Modulation identifizierter Zielstrukturen Ansätze zur Vermeidung postinfektiöser Lungenschäden entwickeln zu können.
Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die Rickettsiose
Rickettsiosen sind neu auftretende fieberhafte, potenziell tödliche Infektionskrankheiten, die durch kleine intrazelluläre Bakterien (Rickettsien) verursacht werden. In Entwicklungsländern sind Rickettsieninfektionen weit verbreitet und stellen eine ernsthafte globale Gesundheitsbedrohung dar. In den letzten Jahrzehnten treten Infektionen mit diesen Bakterien weltweit mit zunehmender Häufigkeit und geografischer Verbreitung auf. Da die Bakterien nur auf sehr wenige Antibiotika ansprechen, führt eine Behandlung mit falschen Antibiotika oder eine verzögerte Behandlung aufgrund fehlender oder falscher Diagnose oft zu schweren Krankheitsverläufen. Problematisch ist, dass es Hinweise auf die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen gibt. Darüber hinaus können einige Rickettsienarten persistieren und unabhängig von einer antibiotischen Behandlung wiederkehrende Erkrankungen verursachen. Schließlich sind bestimmte Rickettsienspezies als potenzielle biologische Waffen eingestuft. Aus diesen Gründen werden dringend prophylaktische Impfstoffe gegen eine Infektion mit diesen Bakterien benötigt. Ziel dieses Projekts ist es, tiefere Einblicke in schützende Immunmechanismen zu gewinnen und immunogene Determinanten dieser Pathogene zu identifizieren, die als Impfstoff dienen können. Rickettsia typhi, der Erreger des endemischen Fleckfiebers, dient dabei als Modellorganismus für diese Studien, die von Dr. Anke Osterloh durchgeführt und durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden (Nr. OS583).
Ausgezeichnet mit dem Memento Award for Neglected Diseases 2020
Literatur: Osterloh. 2022 Vaccines (Basel); Osterloh. 2021 Vaccines (Basel); Rauch et al. 2021 PLoS One; Osterloh. 2020 PLoS Negl Trop Dis; Kopf et al. 2018 Antimicrob Agents Chemother
- BMBF; DZIF TTU-TB 02.705 Infrastructure „Myco Drug and Trials“
- BMBF; DZIF TTU-TB 02.806 Project „New Drugs and Regimen“
- BMBF; DZIF TTU-TB 02.906 FlexFund „Optimization of mycobacterial thioredoxin reductase inhibitors, novel lead compounds against M. tuberculosis“
- BMBF; DZIF TTU-TI 07.003_Garrelts MD Project „Local activity of anti-TB therapeutics in highly stratified human-like lesions of a novel pre-clincial mouse model“
- BMBF, DZIF „InhibitMycoRex: Optimization of mycobacterial thioredoxin reductase inhibitors, novel lead compounds against M. tuberculosis“
- DFG; IRTG191: "Immunoregulation of Inflammation in Allergy and Infection“: Project B6 "ProThe impact of Tr1 cells in aged mice on susceptibility and vaccination efficacy in TB“
- DFG; IRTG191: "Immunoregulation of Inflammation in Allergy and Infection“: MD Project "Spatial analysis of host and pathogen responses in highly structured tuberculous granulomas after laser capture microdissection“
- DFG; GRK 1727: „Modulation von Autoimmunität“ : Projekt A3: "Cell type-specific effects of interleukin-17 in Epidermolysis bullous acquisita"
- EU / Horizon 2020: CORVOS / Marie Sklodowska-Curie Joint European PhD:“ Complement regulation and variations in opportunistic infections“
- EU / Horizon 2020: ETBRA / „European tuberculosis regimen accelerator“
- Proteinbiochemische Methoden
- Kultivierung von Hybridomen, Produktion und Aufreinigung von monoklonalen Antikörpern
- Kultivierung, Präparation und Identifikation von BSL2 und BSL3 Pathogenen (z.B. Mycobacterium tuberculosis oder Trypanosoma cruzi)
- Infektion experimenteller Mäuseb (subkutan, intravenös, intraperitoneal, Aerosol Infektion mit Mykobakterien)
- In vitro Differenzierung, Infektion und Analyse von Knochenmark-Makrophagen und Dendritischen Zellen
- In vitro Differenzierung von TH1, TH2 und TH17 Zellen
- Isolation von Organen experimenteller Mäuse, Präparation von Einzelzellsuspensionen
- Isolierung von Zellen und Granulomen aus perfundierten Lungen und Lebern infizierter Tiere
- Magnetische Zellsortierung
- Durchflusszytometrie und Immunfluoreszenz
- Histologische und immunhistochemische Techniken
- Quantitative RT-PCR, real time PCR
- Nachweis von Antikörpern, Zytokinen und Chemokinen in Gewebehomogenaten, Überstände und Serum/Plasma
- Cytometric bead arrays
- Bestimmung von reaktiven Stickoxidintermediaten und der Arginase Aktivität
- Zytokin bioassays
- Funktionelle T Zell Analysen (Proliferation, Antigen-spezifische Zytokin-Seretions assays, ELISPOTs, Zytotoxische Analysen, Herstellung von Mtb-spezifischen MHC Klasse I und Klasse II Tetrameren und Markierung spezifischer CD4+ und CD8+ T Zellen)
2025
Duque-Villegas, MA, Götz, MP, Rousseau, E, Homolka, S, Niemann, S, Garred, P, Hölscher, C, Walter, K & Rosbjerg, A 2025, 'C1q and mannose-binding lectin binding and complement activation across genetically diverse Mycobacterium tuberculosis complex strains', JOURNAL OF IMMUNOLOGY. https://doi.org/10.1093/jimmun/vkaf294
Ngara, B, Flori, L, van Wijk, RC, Ernest, JP, Tyagi, S, Soni, H, Hölscher, C, Walter, K, Dreisbach, J, Hoelscher, M, Nuermberger, EL & Savic, R 2025, 'Translational modeling of BTZ-043 in predicting phase IIA efficacy and evaluating drug-drug interactions with BPaL in murine models', JOURNAL OF INFECTIOUS DISEASES. https://doi.org/10.1093/infdis/jiaf088
Römpp, A, Treu, A, Kokesch-Himmelreich, J, Marwitz, F, Dreisbach, J, Aboutara, N, Hillemann, D, Garrelts, M, Converse, PJ, Tyagi, S, Gerbach, S, Gyr, L, Lemm, A-K, Volz, J, Hölscher, A, Gröschel, L, Stemp, E-M, Heinrich, N, Kloss, F, Nuermberger, EL, Schwudke, D, Hoelscher, M, Hölscher, C & Walter, K 2025, 'The clinical-stage drug BTZ-043 accumulates in murine tuberculosis lesions and efficiently acts against Mycobacterium tuberculosis', Nature communications, Jg. 16, Nr. 1, S. 826. https://doi.org/10.1038/s41467-025-56146-9
2024
Götz, MP, Duque Villegas, MA, Fageräng, B, Kerfin, A, Skjoedt, M-O, Garred, P & Rosbjerg, A 2024, 'Transient Binding Dynamics of Complement System Pattern Recognition Molecules on Pathogens', JOURNAL OF IMMUNOLOGY, Jg. 212, Nr. 9, S. 1493-1503. https://doi.org/10.4049/jimmunol.2300768
Neumann, M, Reimann, M, Chesov, D, Popa, C, Dragomir, A, Popescu, O, Munteanu, R, Hölscher, A, Honeyborne, I, Heyckendorf, J, Lange, C, Hölscher, C & Kalsdorf, B 2024, 'The Molecular Bacterial Load Assay predicts treatment responses in patients with pre-XDR/XDR-tuberculosis more accurately than GeneXpert Ultra MTB/Rif', Journal of infection, S. 106399. https://doi.org/10.1016/j.jinf.2024.106399
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2022
Brandenburg, J, Heyckendorf, J, Marwitz, F, Zehethofer, N, Linnemann, L, Gisch, N, Karaköse, H, Reimann, M, Kranzer, K, Kalsdorf, B, Sanchez-Carballo, P, Weinkauf, M, Scholz, V, Malm, S, Homolka, S, Gaede, KI, Herzmann, C, Schaible, UE, Hölscher, C, Reiling, N & Schwudke, D 2022, 'Tuberculostearic Acid-Containing Phosphatidylinositols as Markers of Bacterial Burden in Tuberculosis', ACS infectious diseases, Jg. 8, Nr. 7, S. 1303-1315. https://doi.org/10.1021/acsinfecdis.2c00075
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Ritter, K, Rousseau, J & Hölscher, C 2022, 'Interleukin-27 in Tuberculosis: A Sheep in Wolf's Clothing?', FRONTIERS IN IMMUNOLOGY, Jg. 12, S. 810602. https://doi.org/10.3389/fimmu.2021.810602
Walter, K, Kokesch-Himmelreich, J, Treu, A, Waldow, F, Hillemann, D, Jakobs, N, Lemm, A-K, Schwudke, D, Römpp, A & Hölscher, C 2022, 'Interleukin-13 overexpressing mice represent an advanced pre-clinical model for detecting the distribution of anti-mycobacterial drugs within centrally necrotizing granulomas', ANTIMICROBIAL AGENTS AND CHEMOTHERAPY, Jg. 66, Nr. 6, S. e0158821. https://doi.org/10.1128/AAC.01588-21
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