Pressemitteilungen 2023

Migrationsbedingte Tuberkulose in Europa

Ein Drittel der Tuberkulosepatienten in Europa ist im Ausland geboren. Um die Eliminierung der Tuberkulose zu erreichen, müssen Strategien zur aktiven Erkennung von Tuberkulosefällen und zur Prävention von Tuberkulose auf im Ausland geborene Personen ausgerichtet sein. Es gibt jedoch nur begrenzte Erkenntnisse über die Risikobewertung sowie die kurative und präventive Behandlung von Tuberkulose bei im Ausland geborenen Personen in Ländern mit niedriger Tuberkulose-Inzidenz in Europa.

Um das Tuberkuloserisiko bei im Ausland geborenen Personen in Europa zu bewerten, sammelten Forscher der Tuberculosis Network European Trialsgroup (TBnet) Daten aus allen EU-Mitgliedstaaten sowie aus Island, Norwegen, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich über das Auftreten von Tuberkulose bei im Ausland geborenen Personen in diesen Ländern. TBnet ist ein paneuropäisches Netz für die Tuberkuloseforschung, welches die größte Plattform für die gemeinschaftliche Tuberkuloseforschung in Europa darstellt (www.tbnet.eu).

Anschließend verglichen die TBnet-Forscher die Daten mit Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über die Häufigkeit von Tuberkulose in den Herkunftsländern von im Ausland geborenen Personen, die in Europa leben.

Die Autoren identifizierten 9116 Tuberkulosepatienten unter 22.459.454 im Ausland geborenen Personen aus 85 Migrantenpopulationen in Europa.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Belastung durch Tuberkulose bei im Ausland geborenen Personen sehr vielfältig und heterogen über Europa verteilt ist. Daher stimmt eine hohe Tuberkulose-Inzidenzrate im Herkunftsland einer Person oft nicht mit dem Tuberkuloserisiko im Land ihres neuen Wohnsitzes überein.

"Die Tuberkulose-Inzidenzrate im Herkunftsland ist ein unzureichender Indikator, wenn es darum geht, im Ausland geborene Bevölkerungsgruppen für die aktive Fallfindung oder für Tuberkulose-Präventionsstrategien in Europa anzusprechen", sagt Niklas Köhler vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz-Lungenzentrum in Deutschland und einer der Erstautoren der in EUROSURVEILLANCE im open access Verfahren veröffentlichten Studie. "Tuberkulose-Eliminierungsstrategien sollten sich auf regelmäßig erhobene länderspezifische Daten stützen, um sicherzustellen, dass die sich rasch verändernde Epidemiologie und die damit verbundenen Risiken berücksichtigt werden", fügt Dr. Anca Vasiliu vom Baylor College of Medicine in Houston (TX), USA, hinzu, die ebenfalls Erstautorin dieser Studie ist.

 

Literatur

Vasiliu A*, Köhler N*, Altpeter E, Ægisdóttir TR, Amerali M, de Oñate WA, Bakos Á, D'Amato S, Cirillo DM, van Crevel R, Davidaviciene E, Demuth I, Domínguez J, Duarte R, Günther G, Guthmann JP, Hatzianastasiou S, Holm LH, Herrador Z, Hribar U, Huberty C, Ibraim E, Jackson S, Jensenius M, Josefsdottir KS, Koch A, Korzeniewska-Kosela M, Kuksa L, Kunst H, Lienhardt C, Mahler B, Makek MJ, Muylle I, Normark J, Pace-Asciak A, Petrović G, Pieridou D, Russo G, Rzhepishevska O, Salzer HJF, Marques MS, Schmid D, Solovic I, Sukholytka M, Svetina P, Tyufekchieva M, Vasankari T, Viiklepp P, Villand K, Wallenfels J, Wesolowski S, Mandalakas AM, Martinez L, Zenner D, Lange C; TBnet. Tuberculosis incidence in foreign-born people residing in European countries in 2020. Euro Surveill. 2023 Oct;28(42). doi: 10.2807/1560-7917.ES.2023.28.42.2300051. PMID: 37855907; *equal contribution
https://www.eurosurveillance.org/content/10.2807/1560-7917.ES.2023.28.42.2300051

Bild rechts: Herkunftsländer (links) von 9116 im Ausland geborenen Personen, die im Jahr 2020 in verschiedenen Ländern Europas (rechts) mit einer Tuberkulose diagnostiziert wurden.

 

Kontakt:
Niklas Köhler
Forschergruppe Klinische Infektiologie
Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum
Parkallee 35
23845 Borstel

T +49 4537 188 7080
F +49 4537 188 6030

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