Pressemitteilungen 2017

Hereinspaziert! Tag der offenen Tür am Forschungszentrum Borstel

Asthma bronchiale

Asthma bronchiale - oder kurz Asthma - ist eine chronisch-entzündliche Krankheit der Atemwege. Diese dauerhafte Entzündung führt zu einer Schwellung der Schleimhaut, einer Verkrampfung der Bronchialmuskulatur und zu einer gesteigerten Schleimproduktion in den Bronchien. Die Folge: Pfeifende und brummende Atmung, Husten, Kurzatmigkeit und Atemnot bis hin zu einem Erstickungstod.

 

Laut dem Global Asthma Report 2014 der Global Asthma Network (GAN) Steering Group leiden weltweit etwa 330 Millionen Menschen an Asthma; die Zahl der krankheitsbedingten Todesfälle liegt jährlich bei ca. 250.000. Die Inzidenz – also die Neuerkrankung pro 100.000 Einwohner pro Jahr – ist besonders in Industrieländern, wie den USA, Kanada, Großbritannien, Neuseeland oder Japan sehr hoch. Mittlerweile zeigt sich jedoch, dass die Zahl der Neuerkrankungen auch in den bevölkerungsreichen Schwellenländern, wie China, Indien und vor allem Brasilien deutlich ansteigt. Bis zum Jahre 2025 geht man von weiteren 100.000.000 Neuerkrankungen aus. Asthma gehört somit zu einer der häufigsten chronischen Krankheiten weltweit und betrifft alle Altersgruppen: Laut Schätzungen sollen bis zu 5% aller Erwachsenen und 10% der Kinder an Asthma bronchiale erkrankt sein. Aufgrund dieser alarmierenden Zahlen hat die Global Initiative for Asthma – kurz GINA – 1998 den Welt-Asthma-Tag ins Leben gerufen. Jedes Jahr am zweiten Dienstag im Mai soll durch unterschiedlichste Aktionen auf diese Erkrankung und ihre gesundheitlichen Folgen hingewiesen und die Öffentlichkeit über diese Krankheit informiert werden.

Das Forschungszentrum Borstel hat diese Idee im letzten Jahr erstmalig im Sinne einer offenen Informationsveranstaltung für Alle aufgegriffen und lädt auch in diesem Jahr am Welt-Asthma-Tag zum Tag der offenen Tür ein. An den zahlreichen Forschungs- und Klinikständen und an dem Lufumobil können die Besucherinnen und Besucher kostenlos ihre Lungenfunktion, ihren Blutzuckerspiegel oder ihre Neigung zu Allergien testen lassen. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, an geführten Besichtigungen durch die Labore des FZBs und die unterschiedlichen Abteilungen der Medizinischen Klinik teilzunehmen, um sich über die Arbeit am Forschungszentrum zu informieren und einen Einblick in den Klinik- und Forscheralltag zu erhalten.

Asthma ist eine chronische Krankheit und somit nicht heil- sondern nur behandelbar. Die Therapie erfolgt meist durch die lokale Behandlung mit Corticosteroiden, die von den Betroffenen inhaliert werden. Studien zeigen, dass bei Allergikern die sogenannte allergenspezifische Immuntherapie (SIT) - oder auch Hyposensibilisierung genannt – Asthma vorbeugen kann. Bei dieser Therapie wird dem Patienten wiederholt eine geringe Menge des Allergens in ansteigender Dosis subkutan injiziert. Die Patienten entwickeln dadurch eine Toleranz gegenüber dem Allergen, und der sogenannte Etagenwechsel – die Ausweitung einer allergischen Rhinitis, wie z.B. Heuschnupfen zu einem allergischen Asthma – kann so vermieden werden. Prof. Uta Jappe, Leiterin der Forschungsgruppe Klinische und Molekulare Allergologie am Forschungszentrum Borstel sowie der Interdisziplinären Allergie-Ambulanz der Medizinischen Klinik Borstel sowie der Universität zu Lübeck, hat in einer aktuellen Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Hautarzt nun den Stand der Forschung und die klinisch-therapeutischen Nutzen dieser Therapie für Patienten mit Nahrungsmittel-, Insektengift und Inhalationsallergie zusammengefasst. Sie konnte zeigen, dass die allergenspezifische Immuntherapie in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht hat und die Charakterisierung der Patienten dank moderner molekular-allergologischer Analyseverfahren deutlich verbessert werden konnte. Allergiker reagieren meist nicht nur auf eine Allergenquelle, sondern auf eine Vielzahl von Substanzen – allerdings haben die einzelnen Allergene ein unterschiedliches Potenzial zur Krankheitsauslösung für die Betroffenen und werden deswegen in Major (Haupt)- und Minorallergene unterschieden. Dank der modernen Diagnostik können Major- und Minorallergene nun immer besser identifiziert werden, und es bilden sich vereinzelt neben den Markerallergenen für die Schwere einer allergischen Reaktion krankheits- sowie therapieprädiktive Markerallergene bzw. Sensibilisierungsmuster heraus.

Die aktuellen Fakten und die steigende Zahl der Asthmaerkrankungen zeigen, dass die Forschung auf diesem Gebiet von ganz besonderer Bedeutung ist. Denn die genauen Ursachen sind bis heute nicht hinreichend geklärt: Auf der einen Seite spielen genetische Faktoren und verschiedene Umwelteinflüsse bei der Entstehung der Erkrankung eine wichtige Rolle, auf der anderen Seite sind allergische Reaktionen ein großer Risikofaktor für die Entwicklung eines Asthma bronchiale. Das Forschungszentrum Borstel, Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften, beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Asthma bronchiale und nimmt deutschlandweit eine führende Position in der Asthmaforschung ein. Im Fokus der Forschung steht die Krankheitsentstehung d.h. die initiale Prägung des Krankheitsrisikos und die Auslösung der Erkrankung sowie die Exazerbation, d.h. die bei manifester Erkrankung episodisch auftretende akute Symptomverschlechterung.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Uta Jappe
Leiterin der Forschungsgruppe Klinische und Molekulare Allergologie, FZB
Leiterin der Interdisziplinären Allergie-Ambulanz FZ Borstel/ Universität zu Lübeck
Stellv. Direktorin des Programmbereichs Asthma und Allergie

Telefon: 04537 - 188 – 7406 und 0451-500-45371
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Publikation:

Jappe, U (2017): Molekular-allergologische Aspekte der allergenspezifischen Immuntherapie. HAUTARZT 68(4):271-28, DOI 10.1007/s00105-017-3958-8