Pressemitteilungen 2018

Lesetipp: Essen mit Nebenwirkung

In der Zeitschrift stern ist ein spannender Artikel über einen Fall aus der Ambulanz für Allergologie am Forschungszentrum Borstel erscheinen. 

Titel:  "Warum ein Erdnussallergiker einen allergischen Schock bekam - ohne je eine Erdnuss gegessen zu haben"

Autor: Nicole Heissmann

Interviewpartner: Prof. Dr. Uta Jappe, Leiterin der Ambulanz für Allergologie am Forschungszentrum Borsten, Leibniz Lungenzentrum

Link: https://www.stern.de/gesundheit/gesund-leben/erdnussallergiker-bekommt-allergischen-schock---ohne-je-eine-erdnuss-gegessen-zu-haben-8436816.html

 

Ausbreitung multiresistenter Tuberkulose-Bakterien in Zentralasien

In einer aktuellen Studie konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Leitung des Forschungszentrums Borstel und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) die Anpassungsfähigkeit von Tuberkulose-Bakterien (TB-Bakterien) in der „Ära der Antibiotika“ zeigen. Über 30 Jahre hinweg wurde der Erwerb von bis zu acht verschiedenen Antibiotikaresistenzen zurückverfolgt. Die ersten multiresistenten TB-Bakterien in Zentralasien entstanden wahrscheinlich bereits zu Zeiten der ehemaligen Sowjetunion und wurden durch unwirksame Therapien, Eigenbehandlung und mangelhafte Diagnostik selektioniert. Genetische Anpassungs-mechanismen führten anschließend zu weiteren Resistenzen, die auch modernste Therapien an ihre Grenzen bringen und die Wirksamkeit von neuen Medikamenten gefährden.

Warum können sich multiresistente Krankheitserreger immer weiter ausbreiten und wie schnell entwickeln sich Resistenzen gegen neue Medikamente? Um diese Fragen zu beantworten, haben Prof. Matthias Merker und Prof. Stefan Niemann vom Forschungszentrum Borstel und dem DZIF gemeinsam mit 13 weiteren renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen Ausbruch von multiresistenten TB-Bakterien in Usbekistan untersucht. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift eLife vorgestellt.

Durch die Analyse des gesamten Erbgutes der TB-Stämme konnten die Forscher die Entstehung einzelner Antibiotika-Resistenzen bis in die Zeiten der Sowjetunion zurückdatieren. In dieser Zeit gab es keine einheitlichen Behandlungskonzepte, wichtige Antibiotika für die Behandlung von einer resistenten TB waren in Apotheken frei verfügbar und in der Regel gab es keine Resistenzdiagnostik für die eingesetzten Medikamente. Zudem ging man davon aus, dass multiresistente Stämme in ihrem bakteriellen Wachstum sehr eingeschränkt sind und nur in einzelnen Fällen von Patient zu Patient übertragen werden können.

„Bei den heutigen multiresistenten Ausbrüchen finden wir jedoch immer häufiger so genannte kompensatorische Mutationen, die dieses Wachstumsdefizit ausgleichen. Das könnte wiederum zu einer erhöhten Übertragungsrate führen und dann zu weiteren Resistenzen“, erläutert Prof. Matthias Merker, einer der Erstautoren der Studie. Der Selektionsdruck durch die eingesetzten Medikamente und die schnelle Anpassung der TB-Bakterien brachte in Zentralasien einen besonders resistenten TB-Stamm hervor. Nahverwandte Vertreter dieses Stammes wurden ebenfalls in Russland und bei deutschen Patienten identifiziert. „Besonders Besorgnis erregend sind die hohen Resistenzraten und die Verbreitung dieser Bakterien über weite Teile Zentralasiens, Ost- und Mitteleuropa. Dies gefährdet vor allem den Erfolg neuer Medikamente und moderner Kombinationstherapien“ so Prof. Stefan Niemann, Leiter der Studie am Forschungszentrum Borstel und Koordinator des Forschungsbereichs „Tuberkulose“ im DZIF. „Um dieser Entwicklung vorzubeugen, bedarf es einer schnellen und weit verfügbaren Diagnostik, welche eine maßgeschneiderte, individualisierte Therapie für jeden Patienten mit einer multiresistenten Tuberkulose ermöglicht“, so Niemann.

Diesem Konzept folgt auch der jüngst bewilligte Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“, dem Niemann und Merker angehören. In einem Verbund der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, der Universität zu Lübeck und dem Forschungszentrum Borstel entwickeln Professoren und junge Nachwuchswissenschaftler Strategien und Methoden für neue maßgeschneiderte Therapien, die individuell auf die Patienten zugeschnitten werden.

Publikation:

Merker et al: Compensatory evolution drives multidrug-resistant tuberculosis in Central Asia. eLife 2018;7:e38200, doi: 10.7554/eLife.38200,

Link: https://elifesciences.org/articles/38200

Kontakt:

Prof. Stefan Niemann
Forschungszentrum Borstel
Leibniz Lungenzentrum
Parkallee 1
23845 Borstel
Telefon: 04537/188 7620
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
Prof. Matthias Merker
Forschungszentrum Borstel
Leibniz Lungenzentrum
Parkallee 1
23845 Borstel
Telefon: 04537/188 2750
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Herzlichen Glückwunsch! Borsteler Biologielaborantin bei der IHK-Bestenehrung in Lübeck ausgezeichnet

Insgesamt 173 ehemalige Auszubildende erhielten für ihre Leistungen als Jahrgangsbeste bei den Abschlussprüfungen 2018 eine Auszeichnung von der IHK zu Lübeck. Mit dabei war in diesem Jahr ebenfalls eine Absolventin aus Borstel: Imke Storm wurde als Prüfungsbeste 2018 ausgezeichnet und erhielt im Rahmen der feierliche Ehrung im Maritim Hotel Timmendorfer Strand ihre Urkunde verliehen.

Überreicht wurden diese Urkunde von dem IHK-Präses Friederike C. Kühn, dem Mitglied der IHK-Vollversammlung Nils Offer und dem IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning. "Durch Fleiß, Ehrgeiz und vor allem positives Denken haben Sie Ihre Berufsausbildung mit einem fantastischen Ergebnis abgeschlossen und damit einen wichtigen Grundstein für Ihre berufliche Zukunft gelegt", so IHK-Präses Friederike C. Kühn. "Da Sie zu den besten Ihrer Zunft gehören, setze ich voraus, dass Engagement, Motivation, Talent, Wissbegierde, Zuverlässigkeit und die vielen anderen Eigenschaften, die einen erfolgreichen Azubi ausmachen, bei Ihnen in einem Höchstmaß vorhanden sind. Und dass Sie ganz sicher noch längst nicht am Ende Ihrer beruflichen Bildungskarriere stehen."

Imke Storm hat im Februar dieses Jahres nach 3,5 Jahren ihre Ausbildung zur Biologielaborantin am Forschungszentrum Borstel erfolgreich abgeschlossen und arbeitet seitdem in der Abteilung für Humangenetik im MVZ Labor Dr. Fenner und Kollegen in Hamburg.

Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung!


Über die Ausbildung

Biologielaborantinnen und Biologielaboranten sind auf dem Arbeitsmarkt momentan sehr gefragt, da sie hochqualifizierte Fachkräfte für Forschung, Produktion und Prüflaboratorien sind. Die Ausbildung am FZB gliedert sich auf in eine einjährige Grundausbildung in den Bereichen Laborkunde, Chemie, Hämatologie, Histologie, Molekularbiologie, Mikrobiologie, Serologie und Zellkulturtechnik und einen anschließenden praxisorientierten Teil, bei dem die Auszubildenden in unterschiedlichen Forschungslaboratorien auf dem Campus arbeiten. Begleitet wird diese praktische Arbeit durch den Berufsschulunterricht in Lübeck.

Weitere Informationen zu unseren Ausbildungsmöglichkeiten finden Sie hier!

 

TV-Tipp: Schleswig-Hostein Magazin

Am 02. Oktober lief im Schleswig-Hostein Magazin ein spannender Beitrag über ein am Forschungszentrum Borstel entwickeltes Beatmungsgerät für COPD-Patienten:

Neues Beatmungsgerät: Hilfreich, aber zu teuer?

Schleswig-Holstein Magazin - 02.10.2018 19:30 Uhr

Ein im Forschungszentrum Borstel entwickeltes Beatmungsgerät hat sich inzwischen etabliert. Doch trotz positiver Studien zögern Krankenkassen, für die Kosten aufzukommen.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Neues-Beatmungsgeraet-Hilfreich-aber-zu-teuer,shmag57194.html

Neue Therapie der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB)

Antibiotikaresistenzen von Mikroorganismen erschweren zunehmend die Behandlung von Infektionskrankheiten. Besonders dramatisch ist die Lage bei der Tuberkulose. In den vergangenen 5 Jahren hat die Anzahl der Patienten, die mit einer multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) diagnostiziert wurden jährlich um ca. 20 % zugenommen. Inzwischen sind es ca. 6% aller Tuberkulosepatienten weltweit. In Weißrussland und der Republik Moldau, Nachbarländern der EU, hat inzwischen annähernd jeder zweite Tuberkulosepatient eine MDR-TB.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) können nur ca. 50% aller Patienten mit einer MDR-TB erfolgreich behandelt werden. Da die Therapie sehr teuer und langwierig ist, bekommen nur ca. 25% der betroffenen Patienten überhaupt eine Therapie. Welche Medikamente eines Kombinationsbehandlung aus mindestens 4 Präparten tatsächlich besonders wirksam sind, ist bislang unklar, da es nicht ausreichend Studien zum Vergleich der Effektivität der Medikamente gibt.

Die beste Möglichkeit, aktuell die Wirksamkeit der Medikamente zu beschreiben ist eine Analyse dokumentierter Therapieverläufe individueller Patienten. Nun hat eine internationale Gruppe von Tuberkuloseforschern unter Beteiligung des Forschungszentrums Borstel die Behandlungsergebnisse von mehr als 12.000 Patienten mit einer MDR-TB analysiert. Die Forscher kommen zu überraschenden Ergebnissen.

„Einige Medikamente der bislang empfohlen Standarttherapie der MDR-TB sind schlecht-, kaum oder gar nicht wirksam, während andere Medikamente wirksamer sind, als bislang erwartet,“ berichtet Professor Christoph Lange, Medizinischer Direktor in Borstel und Leiter der Klinischen Tuberkulose-Einheit am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, einer der Autoren der Studie.

Die WHO hat schnell reagiert und basierend auf dieser Veröffentlichung die Empfehlungen für die Behandlung der MDR-TB umfangreich revidiert. In der Zukunft werden die meisten Patienten nur noch oral verfügbare Medikamente brauchen. Intravenöse Therapien gehören dann hoffentlich der Vergangenheit an.

Kontakt:
Prof. Dr. Christoph Lange
Forschungszentrum Borstel
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
T +49 4537 188 3320/1
E-Mail: clange(a)fz-borstel.de

Publikation: The Collaborative Group for the Analysis of Individual Patient Data in MDR-TB treatment. Members of the Group: Treatment correlates of successful outcomes in pulmonary multidrug-resistant tuberculosis– an individual patient data meta-analysis of 12,030 patients from 25 countries. Lancet. 2018 Sep 8;392(10150):821-834. doi: 10.1016/S0140-6736(18)31644-1. PMID: 30215381