Pressemitteilungen 2018

DFG richtet vier Kompetenzzentren für Hochdurchsatzsequenzierungen einDie Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert vier Kompetenzzentren für Hochdurchsatzsequenzierung mit insgesamt 14 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre. Zu den vier ausgewäht

Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert vier Kompetenzzentren für Hochdurchsatzsequenzierung mit insgesamt 14 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre. Zu den vier ausgewähten Zentren gehört das Competence Centre for Genome Analysis Kiel (CCGA Kiel), welches an der Christian Albrechts Universität eingerichtet wird. An diesem Forschungsprojekt sind ebenfalls Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungszentrums Borstel - Leibniz Lungenzentrum sind beteiligt: "Das Forschungszentrum Borstel hat im CCGA die Genomanalyse von Pathogenen im Fokus. Schwerpunkte sind hierbei die Verfolgung von Infektionsketten und die Vorhersage von Resistenzen bei klinischen Isolaten oder dem Mikrobiom," so Prof. Stefan Niemann, Leiter der Forschungsgruppe Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie am FZB. 

 Pressemitteilung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vom 27.03.2018


Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Gensequenzierung „Made in Schleswig-Holstein“

Kieler Universität wird eines von vier deutschen Kompetenzzentren für modernste Genomanalysen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) trägt dem wachsenden Bedarf an komplexen Genomanalysen in den Lebenswissenschaften Rechnung und fördert deutschlandweit vier zentrale Kompetenzzentren für Hochdurchsatzsequenzierungen mit insgesamt 14 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren. Eines dieser Zentren, das Competence Centre for Genome Analysis Kiel (CCGA Kiel), wird jetzt an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) eingerichtet. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen sechs Geräten werden mit der Förderung ein neues „NovaSeq“-Sequenziergerät und ein ultraschneller Rechenserver angeschafft. Dieses Gerätesystem kann Proben vier Mal so schnell analysieren wie der bisher leistungsfähigste Kieler Sequenzierer. 
Die Besonderheit des aktuellen Förderprogramms ist die übergeordnete Strategie, mit der die DFG vier spezialisierte NGS-Zentren für das gesamte Bundesgebiet schafft. Sie sollen als gemeinsame Serviceeinrichtung für die Wissenschaft dienen und nach identischen Standards arbeiten. „Dass Kiel in diesem renommierten Karree eine Schlüsselposition einnimmt, ist ein enormer Erfolg für den Forschungs- und Innovationsstandort Schleswig-Holstein“, bewertet CAU-Präsident Professor Lutz Kipp die Entscheidung. „Damit unterstreichen wir eindrucksvoll unsere konsequente Ausrichtung in der lebenswissenschaftlichen Spitzenforschung und unsere bundesweit exzellente Kompetenz in der Genomsequenzierung. Das neue Zentrum macht uns international spürbar sichtbar und konkurrenzfähig“.

„Next Generation Sequencing “(NGS) 

Ende der 1970er Jahre wurden die ersten Techniken entwickelt, um das Erbgut verschiedener Organismen von Bakterien bis hin zum Menschen zu entschlüsseln. Die heute genutzten Verfahren sind um Größenordnungen leistungsfähiger als noch vor einigen Jahren und werden unter dem Begriff „Next Generation Sequencing “(NGS) zusammengefasst. Mit der stetig leistungsfähiger werdenden Technik ist in den letzten Jahren eine vollkommen verborgene Welt zugänglich geworden: So lässt sich heute der genetische Code eines Menschen oder der Funktionszustand von zehntausenden Einzelzellen innerhalb weniger Stunden vollständig entziffern. An der Kieler Universität befindet sich dazu eine der deutschlandweit größten akademischen Sequenziereinheiten. Wissenschaftlicher Schwerpunkt sind die Entschlüsselung der molekularen Ursachen chronisch-entzündlicher Erkrankungen, die Untersuchung der komplexen Beziehungen von Lebewesen mit den sie besiedelnden Bakterien in der sogenannten Mikrobiomforschung und die genetische Untersuchung von archäologischen Funden. 

Mit den vier NGS-Zentren soll künftig in der nationalen Forschungslandschaft insgesamt die Fähigkeit gefördert werden, zunehmend komplexe genetische Analysen aus einem breiten Spektrum von Anwendungsfeldern zu bearbeiten und zu interpretieren. Dazu ist ein breites Netzwerk von Expertinnen und Experten notwendig, um die sehr unterschiedlichen Anwendungsgebiete abzudecken. Für das Kieler Zentrum sind deshalb neben CAU-Forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sechs weiteren Institutionen beteiligt: dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Forschungszentrum Borstel, der Universität zu Lübeck, dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön, dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen und der Universität des Saarlandes. Gemeinsam tragen sie mit ihrer jeweiligen Expertise dazu bei, bei Kolleginnen und Kollegen bei neuen Forschungsprojekten zu beraten und sie bei der Analyse der dabei entstehenden riesigen Datenmengen zu unterstützen. 

Treibende Kraft für das neue Kieler Zentrum ist der Mediziner und Molekularbiologe Professor Philip Rosenstiel, der auch Mitglied im schleswig-holsteinischen Exzellenzcluster „Entzündungsforschung“ ist. „In den letzten zehn Jahren haben wir mit dieser Technologie zu herausragenden Erkenntnissen beitragen können. Neben unserer Rolle als verlässlicher Partner wird dieser Erfolg unsere eigene Forschung zu den Ursachen chronisch entzündlicher Erkrankungen erheblich voranbringen“, ist sich Rosenstiel sicher. Mit derartigen Leuchttürmen sei Kiel zum Anziehungspunkt für exzellente internationale Nachwuchsforschende geworden, die mit ihrer Forschung an der CAU weltweit anwendbare neue Problemlösungen erarbeiten wollen, so Rosenstiel weiter. 

„Für diesen herausragenden Erfolg waren die wissenschaftlichen Strukturen, die durch das Exzellenzcluster ‚Entzündungsforschung‘ geschaffen wurden, von entscheidender Bedeutung“, betont auch Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Clusters. Der Cluster gehe gestärkt in die nächste Runde des Exzellenzwettbewerbs und mache sich an die große Aufgabe, Präzisionsmedizin zur individuellen Anwendung an den Patientinnen und Patienten zu bringen, blickt Schreiber voraus. 


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