Pressemitteilungen 2018

Neue Therapie der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB)

Antibiotikaresistenzen von Mikroorganismen erschweren zunehmend die Behandlung von Infektionskrankheiten. Besonders dramatisch ist die Lage bei der Tuberkulose. In den vergangenen 5 Jahren hat die Anzahl der Patienten, die mit einer multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) diagnostiziert wurden jährlich um ca. 20 % zugenommen. Inzwischen sind es ca. 6% aller Tuberkulosepatienten weltweit. In Weißrussland und der Republik Moldau, Nachbarländern der EU, hat inzwischen annähernd jeder zweite Tuberkulosepatient eine MDR-TB.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) können nur ca. 50% aller Patienten mit einer MDR-TB erfolgreich behandelt werden. Da die Therapie sehr teuer und langwierig ist, bekommen nur ca. 25% der betroffenen Patienten überhaupt eine Therapie. Welche Medikamente eines Kombinationsbehandlung aus mindestens 4 Präparten tatsächlich besonders wirksam sind, ist bislang unklar, da es nicht ausreichend Studien zum Vergleich der Effektivität der Medikamente gibt.

Die beste Möglichkeit, aktuell die Wirksamkeit der Medikamente zu beschreiben ist eine Analyse dokumentierter Therapieverläufe individueller Patienten. Nun hat eine internationale Gruppe von Tuberkuloseforschern unter Beteiligung des Forschungszentrums Borstel die Behandlungsergebnisse von mehr als 12.000 Patienten mit einer MDR-TB analysiert. Die Forscher kommen zu überraschenden Ergebnissen.

„Einige Medikamente der bislang empfohlen Standarttherapie der MDR-TB sind schlecht-, kaum oder gar nicht wirksam, während andere Medikamente wirksamer sind, als bislang erwartet,“ berichtet Professor Christoph Lange, Medizinischer Direktor in Borstel und Leiter der Klinischen Tuberkulose-Einheit am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, einer der Autoren der Studie.

Die WHO hat schnell reagiert und basierend auf dieser Veröffentlichung die Empfehlungen für die Behandlung der MDR-TB umfangreich revidiert. In der Zukunft werden die meisten Patienten nur noch oral verfügbare Medikamente brauchen. Intravenöse Therapien gehören dann hoffentlich der Vergangenheit an.

Kontakt:
Prof. Dr. Christoph Lange
Forschungszentrum Borstel
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
T +49 4537 188 3320/1
E-Mail: clange(a)fz-borstel.de

Publikation: The Collaborative Group for the Analysis of Individual Patient Data in MDR-TB treatment. Members of the Group: Treatment correlates of successful outcomes in pulmonary multidrug-resistant tuberculosis– an individual patient data meta-analysis of 12,030 patients from 25 countries. Lancet. 2018 Sep 8;392(10150):821-834. doi: 10.1016/S0140-6736(18)31644-1. PMID: 30215381