Sprache auswählen

09.07.2026

Startschuss für SeqNET+: BMG-gefördertes Projekt zur MDR-TB-Diagnostik nimmt Arbeit auf

Mit einer virtuellen Auftaktkonferenz ist am 17. Juni 2026 das Projekt „SeqNET+ - Netzwerk für genomische Diagnostik und Überwachung von Lungenpathogenen mit Schwerpunkt auf arzneimittelresistentem Mycobacterium tuberculosis“ offiziell gestartet. Ziel des vom Bundesgesundheitsministerium im Rahmen des Global Health Protection Program (GHPP) geförderten Netzwerks ist die nachhaltige Nutzung moderner Diagnosewerkzeuge zum Nachweis multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) in den afrikanischen und osteuropäischen Partnerländern.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Diagnostik der infektiösen Lungenkrankheit Tuberkulose, die durch das Bakterium Mycobacterium tuberculosis (Mtb) ausgelöst wird. Von besonderer Bedeutung ist die schnelle und genaue Erkennung resistenter Formen der Krankheit. Das vom Bundesgesundheitsministerium im Rahmen des „Global Health Protection Program (GHPP)” geförderte Projekt zielt darauf ab, die nachhaltige Nutzung moderner Diagnoseinstrumente zum Nachweis multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) in Mosambik, Namibia, Eswatini und Moldawien zu sichern. Aufbauend auf früheren GHPP-Initiativen setzt SeqNET+ die erfolgreiche internationale Zusammenarbeit fort, mit der die TB-Diagnostik und -Überwachung in den Partnerländern gestärkt werden soll.

An der Auftaktveranstaltung nahmen rund 40 Teilnehmer aus acht Ländern teil, darunter drei afrikanische Partnerländer (Namibia, Mosambik, Eswatini) und fünf europäische Länder (Dänemark, Italien, Moldawien, die Schweiz und Deutschland). Wissenschaftler, Ärzte, Experten für öffentliche Gesundheit, Laborspezialisten und Projektmanagementpartner kamen zusammen, um ihre Erfolge aus früheren GHPP-Initiativen vorzustellen und die nächsten Schritte zur Erreichung der Ziele des neuen SeqNET+-Projekts zu erörtern.

In Teilen Afrikas und Osteuropas ist eine moderne TB-Diagnostik unverzichtbar, da MDR-TB mit herkömmlichen Methoden oft spät erkannt wird. Dies führt zu anhaltender Übertragung und schlechteren Heilungschancen. Schnelle und zuverlässige Verfahren ermöglichen die frühzeitige Identifikation resistenter Stämme, verbessern Therapien und stärken Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit. In den letzten Jahren wurden in Mosambik, Eswatini und Namibia deutliche Fortschritte bei der Einführung moderner Diagnostik erzielt. Ergebnisse aus spezialisierten Laboren konnten mit Unterstützung klinischer Expertinnen und Experten direkt in TB-Kliniken und Behandlungsprogramme überführt werden, sodass Patientinnen und Patienten mit MDR-TB unmittelbar profitieren.

Kontakt

Stefan Niemann

Prof. Dr. Stefan Niemann

T +49 4537 / 188-7620
F +49 4537 / 188-2091
sniemann@fz-borstel.de

 

Alle Partner des SeqNET+-Netzwerks bekräftigen ihr Engagement, den Einsatz von DNA-Sequenzierung für die schnelle TB-Diagnose und die molekulare Überwachung resistenter Mtb-Stämme in Hochinzidenzländern zu stärken. Ein weiterer Fokus des Projekts liegt auf dem Aufbau regionaler Schulungszentren und nachhaltiger Laborkapazitäten.

Die Aktivitäten erfolgen in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) und dem WHO-Regionalbüro für Europa, das insbesondere den neuen Projektpartner Republik Moldau unterstützt. In Teilen Osteuropas nimmt die Belastung durch multiresistente Tuberkulose zu, wodurch Diagnosekapazitäten und Behandlungsprogramme zunehmend unter Druck geraten.

Moldawien hat bereits durch frühere Initiativen von modernen Diagnosewerkzeugen profitiert. SeqNET+ bietet nun einen strukturierten Rahmen, um deren nachhaltige Integration in die routinemäßige TB-Bekämpfung weiter zu stärken und Diagnose- sowie Behandlungsansätze zu verbessern.

Die wissenschaftlichen Projektkoordinatoren Dr. Leonardo de Araujo, Dr. Christiane Gerlach und Prof. Dr. Stefan Niemann vom FZB, organisierten das dreistündige Treffen, das den Partnern einen Überblick über die Projektaktivitäten, Zeitpläne und erwarteten Ergebnisse bot. Darüber hinaus hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, ihre Einrichtungen vorzustellen, über ihre aktuellen Arbeiten zu berichten und potenzielle Bereiche für eine Zusammenarbeit zu identifizieren. Die Diskussion war interaktiv und förderte einen konstruktiven Dialog zwischen den Verbundpartnern. 

"Arzneimittelresistente Tuberkulose stellt weltweit eine wachsende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar", sagt Stefan Niemann, Koordinator des Projekts. "Daher setzt SeqNET+ auf modernste Genomsequenzierung, Kapazitätsaufbau und digitale Innovationen, um die Früherkennung resistenter Erreger zu verbessern und die molekulare Überwachung von Tuberkulose und anderen Atemwegsinfektionen in Afrika und Osteuropa auszubauen".

 

2026           2025           2024           2023           2022