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28.07.2026

Breite Koalition gegen Antibiotika-resistente Tuberkulose in Europa

Tuberkulose ist weiterhin die weltweit häufigste tödlich verlaufende Infektionskrankheit durch einen einzelnen Erreger. Im Jahr 2024 erkrankten weltweit schätzungsweise 10,7 Millionen Menschen an Tuberkulose; 1,23 Millionen starben daran. Besonders kritisch ist die Situation bei medikamentenresistenter Tuberkulose: Nur etwa zwei von fünf Betroffenen erhielten 2024 Zugang zu einer Behandlung. Zudem bleiben die Behandlungsergebnisse deutlich schlechter als bei medikamentensensibler Tuberkulose.

Kürzere, vollständig orale Therapien haben die Behandlung der medikamentenresistenten Tuberkulose in den vergangenen Jahren grundlegend verbessert. Gleichzeitig gefährdet die zunehmende Resistenz gegen Bedaquilin und andere zentrale Medikamente diese Fortschritte. Die WHO-Region Europa trägt einen überproportionalen Anteil der weltweiten Belastung durch medikamentenresistente Tuberkulose und kann nach Auffassung der Autorinnen und Autoren eine führende Rolle beim Schutz dieser Medikamente übernehmen.

Die Fachzeitschrift The Lancet Regional Health – Europe hat nun einen Aufruf einer breiten Koalition von Fachgesellschaften und Tuberkulose-ExpertInnen unter Führung der WHO Europa Region und des Forschungszentrums Borstel mit dem Titel

„A call to action on antimicrobial stewardship in tuberculosis: safeguarding effective tuberculosis treatment for future generations“, veröffentlicht.

Der Aufruf benennt sechs vorrangige Handlungsfelder:

  • Tuberkulose konsequent in nationale und internationale Strategien gegen antimikrobielle Resistenzen integrieren und Antimicrobial Stewardship nachhaltig finanzieren
  • Aus-, Fort- und Weiterbildung stärken sowie nationale und regionale Expertendienste für komplexe und resistente Tuberkulosefälle ausbauen
  • Resistenzentwicklung, Therapietreue und Behandlungsergebnisse durch robuste Surveillance, digitale Instrumente und grenzüberschreitende Zusammenarbeit überwachen
  • Tuberkulose und die Entstehung von Resistenzen durch Infektionsprävention, frühe Diagnose und präventive Behandlung verhindern;
  • allen Erkrankten einen schnellen und gerechten Zugang zu umfassender Resistenztestung einschließlich molekularer und sequenzbasierter Verfahren ermöglichen;
  • eine evidenzbasierte und patientenzentrierte Behandlung, eine strukturierte Unterstützung der Therapietreue sowie eine systematische Abklärung eines unzureichenden Therapieansprechens sicherstellen.

 

Der Call to Action entstand auf der "1st Conference on Antimicrobial Stewardship in Tuberculosis am 8. und 9. Juni 2026 in Chișinău, Republik Moldau". Mehr als 100 Expertinnen und Experten aus der WHO-Region Europa diskutierten dort konkrete Schritte zur Umsetzung. Die Konferenzteilnehmenden verpflichteten sich unter anderem, die Zusammenarbeit über Fachgebiete, Institutionen, Sektoren und Ländergrenzen hinweg zu stärken, Fortbildung und Forschung auszubauen und sich für einen gerechten Zugang zu Diagnostik und Behandlung einzusetzen.

„Kürzere und besser verträgliche Behandlungsschemata sind ein enormer Fortschritt für Menschen mit medikamentenresistenter Tuberkulose. Doch die zunehmende Resistenzentwicklung gefährdet diese Fortschritte. Wir müssen daher sicherstellen, dass neue Medikamente von Beginn an gezielt, evidenzbasiert und patientenzentriert eingesetzt werden. Andernfalls drohen wir, ihre Wirksamkeit innerhalb weniger Jahre wieder zu verlieren", betont  Erstautor PD Dr. Thomas Theo Brehm, Arzt und Wissenschaftler der Forschergruppe Klinische Infektiologie am Forschungszentrum Borstel und am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. "Unser gemeinsamer Aufruf richtet sich an Politik, internationale Organisationen, Gesundheitseinrichtungen, Forschung, Zivilgesellschaft und alle Gesundheitsberufe. Die heute verfügbaren und in den kommenden Jahren neu zugelassenen lebensrettenden Medikamente müssen auch für zukünftige Generationen wirksam bleiben“, ergänzt Dr. Dumitru Chesov ebenfalls Arzt und Wissenschaftler der Forschergruppe Klinische Infektiologie am Forschungszentrum Borstel und Ass. Prof. an der Staatlichen Universität für Medizin und Pharmazie in Chișinău und Koautor des Aufrufs. Die Initiative wird über den Oskar Medizinpreis der Stiftung Oskar-Helene-Heim unterstützt.

 

Zitat: Brehm T, Yedilbayev A, Perehinets I, Ashiru-Oredopee D, Chesov D, Lange C, for the AMS in TB study group. A call to action on antimicrobial stewardship in tuberculosis: safeguarding effective tuberculosis treatment for future generations The Lancet Regional Health – Europe, The Lancet Regional 2026;67: 101797; Published Online https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2026.101797

 

PM Lancet RHE2026 1

PM Lancet RHE2026 2

 

Kontakt

Silvia Wissel

PD Dr. med. Thomas Theo Brehm

FG Klinische Infektiologie
Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum
Parkallee 35
23845 Borstel

tbrehm@fz-borstel.de

Stefan Niemann

Ass. Prof. Dr. Dumitru Chesov

Clinical Infectious Diseases
DZIF core unit “ClinTB”

Research Center Borstel
Parkallee 35
23845 Borstel
Germany

dchesov@fz-borstel.de

Stefan Niemann

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Christoph Lange

DZIF TTU TB (ClinTB)
T +49 4537 / 188-3010 (Sekretariat)
F +49 4537 / 188-6030
clange@fz-borstel.de

 

 

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