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09.09.2026

Neues globales Forschungsprogramm: Gemeinsam gegen medikamentenresistente Tuberkulose

Das internationale Forschungsprogramm RESPECT-TB bringt Forschende, Gesundheitsbehörden und nationale Tuberkuloseprogramme aus Indien, Kasachstan, Mosambik, Südafrika,Vietnam, das Vereinigte Königreich (UK) und Deutschland zusammen, um eine der weltweit umfassendsten Wissensgrundlagen zu medikamentenresistenter Tuberkulose (TB) zu schaffen. Koordiniert wird das Programm vom Nuffield Department of Medicine der University of Oxford in Zusammenarbeit mit der University of the Witwatersrand in Südafrika und der Queen Mary University of London. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum, sind maßgeblich an RESPECT-TB beteteiligt. Grundlage dafür ist Ihre umfassende Expertise, die auf auf mehr als zehn Jahren Erfahrung in der Forschung und Entwicklung moderner Diagnostikverfahren für TB basiert..

RESPECT-TB wird mit 10 Millionen Pfund vom Wellcome Trust gefördert. Der Wellcome Trust ist eine private Stiftung mit Sitz in London, die zu den wichtigsten Geldgebern für Gesundheits- und Biomedizinforschung weltweit gehört. Ziel des Programms ist es, neue Erkenntnisse zu gewinnen, die Patientenversorgung zu verbessern, Forschungskapazitäten vor Ort zu stärken und die nationale sowie globale TB-Politik auf eine fundierte wissenschaftliche Grundlage zu stellen.Tuberkulose ist nach wie vor die weltweit tödlichste Infektionskrankheit und verursacht Schätzungen zufolge jährlich 1,23 Millionen Todesfälle. Neue sechsmonatige Therapieschemata auf Basis von Bedaquilin – einem zentralen Medikament zur Behandlung von multiresistenter TB -  haben die Behandlung medikamentenresistenter TB grundlegend verbessert und die Heilungsraten auf rund 90 Prozent erhöht. Doch inzwischen treten erste Resistenzen gegen dieses Medikament auf. Damit gerät einer der größten Fortschritte in der TB-Behandlung der vergangenen Jahrzehnte in Gefahr.

RESPECT-TB wird untersuchen, wie weit Resistenzen gegen neue Medikamente zur Behandlung medikamentenresistenter TB auf Bevölkerungsebene verbreitet sind und wie und warum diese Resistenzen entstehen. Dafür kombiniert das Programm Genomsequenzierung, Laboranalysen und detaillierte klinische Daten.

Das Programm baut auf den Ergebnissen desinternational anerkannten und von Oxford geleiteten CRyPTIC-Konsortium auf. RESPECT-TB wird einen der bislang umfassendsten Datensätze zur Tuberkulose schaffen. Er verknüpft bakterielle Genomdaten, Informationen zur Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten und die Behandlungsergebnisse von Patientinnen und Patienten. Damit soll eine wissenschaftliche Grundlage geschaffen werden, um Diagnostik, Therapie und Überwachung der medikamentenresistenten Tuberkulose weiter zu verbessern.

 

 

Kontakt

Stefan Niemann

Prof. Dr. Stefan Niemann

T +49 4537 / 188-7620
F +49 4537 / 188-2091
sniemann@fz-borstel.de

Professor Timothy Walker, Professor für Infektionskrankheiten am Nuffield Department of Medicine und Koordinator von RESPECT-TB, erklärt: „Bedaquilin-basierte Therapieschemata haben die Versorgung von Menschen mit medikamentenresistenter Tuberkulose grundlegend verändert. Doch inzwischen beobachten wir, dass in Ländern mit hoher Krankheitslast Resistenzen gegen diese Medikamente entstehen. RESPECT-TB wird uns helfen zu verstehen, wo Resistenzen auftreten, wie sie entstehen und wie wir die Wirksamkeit dieser Behandlungen langfristig erhalten können.“

Professor Nazir Ismail, Professor für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten an der Wits University und am National Health Laboratory Service in Südafrika sowie Co-Leiter von RESPECT-TB, betont: „RESPECT-TB ist ein starkes Beispiel dafür, wie globale Zusammenarbeit unser Verständnis neu auftretender Medikamentenresistenzen und ihrer klinischen Auswirkungen beschleunigen kann. Indem wir Fachwissen aus verschiedenen Regionen zusammenbringen, können wir entscheidende Erkenntnisse gewinnen, die in die globale Gesundheitspolitik einfließen und dazu beitragen, die bisherigen Fortschritte im Kampf gegen medikamentenresistente TB zu sichern.“

Professor Graeme Meintjes, Clinical Professor für Infektionskrankheiten an der Queen Mary University of London, Professor für Medizin an der University of Cape Town und ebenfalls Co-Leiter von RESPECT-TB, erklärt: „Das Spannende an RESPECT-TB ist die Möglichkeit, Fragen zu beantworten, mit denen Kliniker und TB-Programme tagtäglich konfrontiert sind. Indem wir Daten und Fachwissen aus den beteiligten Ländern zusammenführen, können wir besser verstehen, warum eine Behandlung bei manchen Patient erfolgreich ist und bei anderen nicht. Dieses Wissen können wir nutzen, um Behandlungsentscheidungen und die Patientenversorgung zu verbessern.“

Dr. Ana Cehovin, wissenschaftlicher Leiter beim Wellcome Trust, erklärt: „Medikamentenresistenzen untergraben kontinuierlich jahrzehntelange Fortschritte in der Tuberkulosebehandlung und bedrohen nun auch die neuen, kürzeren und wirksameren Bedaquilin-basierten Therapieschemata. Behandlungsentscheidungen beruhen zum Teil auf Versuch und Irrtum, während Resistenzen unentdeckt bleiben und sich ungehindert ausbreiten können. Diese internationale Zusammenarbeit bringt Forschende aus verschiedenen Ländern und Fachrichtungen zusammen und wird unser Verständnis dafür vertiefen, wie Resistenzen entstehen und sich weiterentwickeln. Dies ist entscheidend, um bessere Behandlungen zu entwickeln, die Wirksamkeit bestehender Therapien zu erhalten, den wissenschaftlichen Fortschritt zu beschleunigen und die Versorgung der am stärksten betroffenen Menschen zu verbessern.“

Professorin Thuong Nguyen Thuy Thuong, Leiterin der Tuberkulose-Gruppe an der Oxford University Clinical Research Unit in Vietnam, erklärt: „Mit einer der weltweit umfassendsten frei zugänglichen Plattform, die Genome von Mycobacterium tuberculosis, Labordaten zur Arzneimittelempfindlichkeit und Behandlungsergebnisse miteinander verknüpft, wird RESPECT-TB eine dauerhafte Grundlage für Forschende, politische Entscheidungsträger und nationale TB-Programme schaffen. Sie wird neue wissenschaftliche Erkenntnisse beschleunigen und dazu beitragen, die Versorgung von Menschen mit medikamentenresistenter Tuberkulose weltweit zu verbessern.“

Neben seinen wissenschaftlichen Zielen wird RESPECT-TB durch die enge Zusammenarbeit mit nationalen TB-Programmen auch Laborkapazitäten, Genomsequenzierung und Forschungsinfrastrukturen vor Ort stärken. Dies soll die beteiligten Länder dabei unterstützen, ihre Überwachungssysteme auszubauen und schneller auf neu auftretende Medikamentenresistenzen zu reagieren.

RESPECT-TB wird vom Wellcome Trust finanziert und vom Nuffield Department of Medicine der University of Oxford koordiniert. Die Oxford University Clinical Research Unit (OUCRU) in Vietnam ist ein zentraler Projektpartner. Das Ellison Institute of Technology beteiligt sich mit technischen Sachleistungen und entwickelt die Labordatenbank für RESPECT-TB.


Das Programm wird von einem Konsortium aus Forschungseinrichtungen, Organisationen des öffentlichen Gesundheitswesens und nationalen Tuberkulose-Programmen durchgeführt, darunter:

  • All India Institute Of Medical Sciences, New Delhi, India
  • Christian Medical College, Vellore, India
  • Ellison Institute of Technology, Oxford, UK
  • Forschungszentrum Borstel, Germany
  • Indian Council of Medical Research - National Institute for Research in Tuberculosis, Chennai, India
  • Instituto Nacional de Saúde, Mozambique
  • National Institute for Communicable Diseases, South Africa
  • National Scientific Center of Phthisiopulmonology, Almaty, Kazakhstan
  • National Tuberculosis Programme, Hanoi, Vietnam
  • Oxford University Clinical Research Unit, Vietnam (OUCRU)
  • Queen Mary University of London, UK
  • San Raffaele Scientific Institute, Milan, Italy
  • University of Cape Town, South Africa
  • University of the Witwatersrand, South Africa

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