06.08.2026
Routinemäßige zielgerichtete Next-Generation-Sequenzierung startet in Namibia
Erste Tuberkuloseproben für die Routinediagnostik im Sequenzierungslabor eingetroffen
Die zielgerichtete Next-Generation-Sequenzierung (Targeted Next-Generation Sequencing, tNGS), die seit 2023 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen wird, verbessert die Diagnostik arzneimittelresistenter Tuberkulose (DR-TB) erheblich. Die Methode ermöglicht den schnellen Nachweis genetischer Mutationen des TB-Erregers Mycobacterium tuberculosis, die Antibiotikaresistenzen verursachen. Durch einen schnellen Nachweis dieser Mutationen können wirksame Therapien früher eingeleitet, unnötige Behandlungen vermieden und die Übertragung resistenter Erreger reduziert werden.
Mit der Zulassung von tNGS für die Routinediagnostik im Jahr 2024 hat Namibia einen wichtigen Meilenstein erreicht. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete ein Implementierungsprojekt im Rahmen des Global Health Protection Programme (GHPP), das vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert wird. Grundlage der Entscheidung des namibischen Ministeriums für Gesundheit und Soziale Dienste waren die WHO-Empfehlung sowie wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem GHPP-Netzwerk Sub-Saharan SeqNET.
Nach mehr als einem Jahr intensiver Vorbereitung, gemeinsamer Entwicklung diagnostischer Abläufe und gezieltem Kapazitätsaufbau ist nun der nächste entscheidende Schritt gelungen: In dieser Woche trafen die ersten klinischen Proben für die routinemäßige tNGS-Diagnostik im Sequenzierungslabor ein. „Wir haben die Next-Generation-Sequenzierung offiziell für das ganze Land gestartet“, berichtet die Laborwissenschaftlerin und Doktorandin Olga Shavuka.
Zu diesem Erfolg haben die GHPP-Projekte SeqMDRTB_NET, Sub-Saharan SeqNET und die aktuelle Initiative SeqNET+ maßgeblich beigetragen. Gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern der University of Namibia unterstützte das Forschungszentrum Borstel nicht nur den Technologietransfer, sondern auch den Aufbau diagnostischer Workflows, die Schulung von Fachpersonal sowie die langfristige Stärkung lokaler Labor- und Forschungskapazitäten.
Mit dem Beginn der Routinediagnostik ist tNGS nun fest auf dem Weg, Bestandteil der nationalen Tuberkulosediagnostik Namibias zu werden. Gleichzeitig entsteht eine nachhaltige Sequenzierungsinfrastruktur, die künftig auch die Früherkennung und Überwachung neuer Infektionserreger unterstützen kann.
Prof. Stefan Niemann vom Forschungszentrum Borstel und Leiter der Initiative betont: „Die Einführung der Sequenzierung verbessert nicht nur die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit arzneimittelresistenter Tuberkulose. Sie schafft zugleich die Grundlage für eine moderne molekulare Surveillance und stärkt die langfristige Reaktionsfähigkeit des Gesundheitssystems gegenüber neuen Infektionskrankheiten.“


Fotos. Erste Charge klinischer Proben für routinemäßige tNGS-Tests, die vom Namibia Institute of Pathology für die tNGS-Analyse versandt wurde.
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