Pressemitteilungen 2019

TV TIPP: NDR VISITE

Heute Abend um 20:15 Uhr läuft bei NDR Visite ein spannender Beitrag über das Thema Fleischallergie. Im Interview: Die Allergologin Prof. Dr. Uta Jappe vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum.

NDR Visite, 05.11.2019, 20;15 Uhr

Wiederholungen: Donnerstag, 07. November 2019, 00:45 bis 01:45 Uhr und Freitag, 08. November 2019, 06:20 bis 07:20 Uhr

Beitrag zu der Sendung von der Homepage NDR Visite:

Fleischallergie: Ursache ist Zeckenstich

Fleisch vom Schwein, Rind und Lamm ist beliebt - nicht nur beim Grillen. Doch der Verzehr kann gefährliche Folgen haben, wenn eine Fleischallergie auftritt: Die ersten Symptome sind meist Nesselsucht und Schwellungen der Lippen und Augen, manchmal auch der Zunge. Die Haut beginnt am ganzen Körper zu jucken, ist gerötet und von Quaddeln übersät. Im weiteren Verlauf kann es zu Unwohlsein bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen. Einige wenige Betroffene reagieren aber auch nur mit Magen-Darm-Beschwerden.

Eine Fleischallergie kann sich ganz plötzlich entwickeln, auch wenn man früher nie Probleme mit Fleisch hatte. Im Gegensatz zu anderen Allergien treten die Reaktionen nicht innerhalb von 20 bis 30 Minuten auf, sondern mit einer Verzögerung von drei bis sechs Stunden. Nicht selten kommen die Beschwerden mitten in der Nacht.

Erstkontakt mit Allergen Alpha-Gal durch Zecken

Als Ursache der Fleischallergie haben Wissenschaftler die Stiche bestimmter Zeckenarten entlarvt. Verantwortlich für die allergische Reaktion ist eine spezielle Substanz im Fleisch von Säugetieren: Galaktose-alpha-1,3-Galaktose (Alpha-Gal). Dabei reagiert der Körper nicht auf ein Eiweißmolekül wie bei Allergien auf Gräser oder Nüsse, sondern auf Zuckermoleküle an Proteinen. Laut einer Studie gelangt Alpha-Gal mit dem Speichel der Zecke in die menschliche Blutbahn. Beim Erstkontakt wird das Immunsystem auf das Molekül aufmerksam und wappnet sich für künftige Konfrontationen - eine allergische Reaktion ist die Folge.

Allergische Reaktion auf Zuckermolekül Alpha-Gal

Gelangt Alpha-Gal in die Blutbahn, passiert bei den meisten Menschen nichts. Bei Allergikern aber betrachtet das Immunsystem die Substanz als Feind und produziert Antikörper, die das Zuckermolekül ausschalten sollen. Isst der Betroffene rotes Fleisch, gelangt erneut Alpha-Gal in den Darm und Stunden später ins Blut. Zu diesem Zeitpunkt erinnert sich das Immunsystem an den vermeintlichen Feind Alpha-Gal und es kommt zu einer allergischen Überreaktion: Die Gefäße weiten sich, Flüssigkeit gelangt in die Haut und bildet die juckenden Quaddeln. Mit der Zeit verschlimmert sich die allergische Reaktion in der Regel. Je länger ein Betroffener also Fleisch konsumiert, desto geringere Mengen davon lösen immer schwerere Symptome aus. Irgendwann genügen bereits Süßigkeiten, die Gelatine aus Rinderknochen enthalten, um eine schwere allergische Reaktion auszulösen.

Innereien enthalten besonders viel Allergen

Alpha-Gal kommt nicht beim Menschen, wohl aber im Fleisch von anderen Säugetieren vor. Manche Fleischsorten enthalten besonders viel Alpha-Gal, zum Beispiel Innereien wie Schweinenieren, Bries oder Leber. Sie sind besonders gefährlich für Fleischallergiker.

Alpha-Gal-Syndrom: Nachweis nur mit Bluttest

Mit dem herkömmlichen Pricktest auf der Haut lässt sich eine Fleischallergie nicht nachweisen. Dafür ist ein spezieller Bluttest erforderlich. Wer unter der Allergie leidet, muss künftig auf den Verzehr von rotem Fleisch verzichten. Weiterhin erlaubt sind Fisch und Geflügel, weil sie kein Alpha-Gal enthalten - und natürlich Gemüse. Wer bereits auf Gelatine allergisch reagiert, kann sich an als vegan gekennzeichnete Lebensmittel halten - sie enthalten keinerlei Stoffe tierischen Ursprungs, also auch keine Gelatine. Alpha-Gal-Allergiker, die konsequent auf Fleisch und Innereien von Säugetieren verzichten, haben aber relativ gute Chancen, dass ihr Körper irgendwann zumindest kleine Mengen Alpha-Gal wieder toleriert.