Pressemitteilungen 2021

Anschluss des Ortsteils Borstel der Gemeinde Sülfeld an das Klärwerk des Forschungszentrums Borstel

Das Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum und der Wege-Zweckverband (WZV) der Gemeinden des Kreises Segeberg haben - stellvertretend durch den neuen Zentrumsdirektor Prof. Schaible und durch den Verbandsvorsteher Peter Axmann - am 13.4.2021 im Herrenhaus Borstel einen zukunftsweisende Vertrag über die Durchleitung und Beseitigung des Abwassers des Ortsteils Borstel unterschrieben. Die anfallenden Abwässer werden durch die vom FZB betriebenen Kläranlage geklärt. Der bestehende Vertrag aus den 90-er Jahren wurde damit ersetzt. Weiterhin wird sich der WZV an den anfallenden Umbau- und Sanierungskosten des über 50 Jahre alten Klärwerks Borstel beteiligen, das mittlerweile stark sanierungsbedürftig ist. Die Fertigstellung eines modernen und nach den neuesten Umweltstandards ausgerüsteten Klärwerks ist für 2022 geplant .
Damit ist die Entsorgungssicherheit sowohl für den Ortsteil Borstel als auch des FZB mit seinen beiden von Bund und Land geförderten neuen Forschungsgebäuden "Leibniz Respiratorium" und des Nationalen Referenzzentrums sichergestellt.

Nachruf

Michael Weinkauf
1961-2021

Mit großer Bestürzung und Trauer müssen wir bekanntgeben, dass unser hochgeschätzter Kollege Michael Weinkauf verstorben ist. Michael Weinkauf war seit 2011 am FZB in der Forschungsgruppe Bioanalytische Chemie als Technischer Mitarbeiter tätig. Er wird uns mit seiner freundlichen und konstruktiven Art in bester Erinnerung bleiben.

Wir nehmen Abschied
Forschungszentrum Borstel

Leibniz Gemeinschaft fördert den Forschungsverbund Gesundheitstechnologien für weitere vier Jahre

Der Forschungsverbund „Leibniz Gesundheitstechnologien“ (LGT) erhält bis Ende 2024 eine Förderung in Höhe von 1,2 Millionen Euro durch die Leibniz-Gemeinschaft. „Leibniz Gesundheitstechnologien“ startet damit in seine zweite Entwicklungsphase mit neuen Projekten, in denen komplementäre Kompetenzen aus 14 Leibniz-Instituten zu innovativen Gesundheitstechnologien zusammenfließen. Auch das Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum ist in diesem Verbund aktiv: Prof. Susanne Krauss-Etschmann, Programmbereich Asthma & Allergie am FZB, ist die stellvertretende Sprecherin der „Leibniz Gesundheitstechnologien“ und leitet das Kompetenzfeld Biomarker, PD Dr. Andreas Frey, Leiter der Forschungsgruppe "Mukosale Immunologie und Diagnostik" am FZB ist stellvertretender Leiter des Kompetenzbereichs Point-of-Care-Technologien (POCT).

>

Wechsel im Direktorium: Prof. Stefan Ehlers geht in den Ruhestand

Nach knapp 10 Jahren als Zentrumsdirektor des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum zieht sich Prof. Stefan Ehlers zurück und geht zum 01.04.2021 in den wohlverdienten Ruhestand. In seiner 25jährigen Tätigkeit am FZB hat er das Zentrum maßgeblich geprägt und substantiell zu der wissenschaftlichen Exzellenz, dem nationalen und internationalen Renommee des Instituts und seiner moderne Zentrumskultur beigetragen. Neuer Zentrumsdirektor wird Prof. Ulrich Schaible, der bereits seit vielen Jahren am FZB tätig ist und als Leiter des Programmbereichs Infektionen und als stellvertretender Zentrumsdirektor an der sehr guten gesamtstrategischen Aufstellung des Zentrums zentral beteiligt ist.

Stefan Ehlers war seit dem 1. April 1996 am FZB beschäftigt, zunächst als Forschungsgruppenleiter der Forschungsgruppe „Molekulare Infektiologie“, seit 2007 als Professor für „Molekulare Entzündungsmedizin“ und seit 2012 als hauptamtlicher Zentrumsdirektor. In seine Amtszeit fallen die Gründung des Exzellenzclusters „Inflammation at Interfaces“, die Beteiligung des FZB an zwei Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung (DZIF und DZL) sowie die Einrichtung zweier Leibniz-Forschungsverbünde (INFECTIONS und Gesundheitstechnologien) und eines Leibniz-Wissenschaftscampus (EvoLUNG), die er maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat. Stefan Ehlers konnte die Zuwendungsgeber überzeugen, die Zukunft des Forschungszentrums Borstel auch dadurch zu sichern, dass knapp 70 Millionen Euro für große Baumaßnahmen auf dem Campus bereitgestellt wurden.

„Ein Highlight war für mich – neben den wissenschaftlichen Erfolgen und den Neubauten – das exzellente Ergebnis der Evaluierung des gesamten Zentrums in 2019“, sagt der scheidende Zentrumsdirektor. „Es war schon ein außerordentlich befriedigender Moment, als von der Expertenkommission explizit anerkannt wurde, dass am FZB gruppenübergreifend und interdisziplinär Themenfelder der pneumologischen Forschung angegangen werden, dass also das Institut gesamtstrategisch sehr gut aufgestellt ist und nicht nur aufgrund von zweifellos wichtigen Höchstleistungen einzelner Wissenschaftler*innen.“

Für Stefan Ehlers liegt der Schlüssel zum Erfolg auch darin, dass am FZB eine Kultur der Kommunikation, Transparenz, Partizipation und wissenschaftlichen Integrität herrscht. „Das FZB ist einmalig, weil hier der Faktor Mensch im Mittelpunkt steht und Wertschätzung und Achtsamkeit als Standortfaktoren – neben der exzellenten wissenschaftlichen Leistung – ebenbürtig sind.“

Stefan Ehlers geht am 1. April 2021 in den Ruhestand. Sein Nachfolger im Amt ist Prof. Ulrich Schaible, der seit 12 Jahren am FZB den Programmbereich Infektionen leitet und als stellvertretender Zentrumsdirektor in den letzten Jahren eng mit Stefan Ehlers zusammengearbeitet hat.  „Es ist mir eine außerordentliche Freude die leitende Verantwortung für ein Forschungsinstitut zu übernehmen, das nicht nur wissenschaftlich so gut aufgestellt ist wie das FZB, sondern das auch geprägt ist durch das tiefe Selbstverständnis der Kolleginnen und Kollegen, gemeinsame Ziele zu verfolgen, die hier gelebte Interdisziplinarität in Synergien zu verwandeln und daraus Neues zu schaffen. Ich freue mich darauf diesen kooperativen Geist weiter zu befördern,“ so der neue Zentrumsdirektor. „Gleichzeitig gilt es für uns Borsteler in den nächsten Jahren große Herausforderungen verschiedenster Art zu meistern, nicht zuletzt, wie es mit unserer Klinik weiter gehen wird, und wie wir uns gemeinsam für die nächste Evaluierung 2026 aufstellen.“ 

 

Gebündelte Expertise im Kampf gegen Wirkstoffresistenzen: Der Leibniz-Forschungsverbund INFECTIONS startet in eine neue Arbeitsphase

Nach der Einrichtungsentscheidung der Leibniz-Gemeinschaft kann der Leibniz-Forschungsverbund „INFECTIONS in an Urbanizing World - Humans, Animals, Environments“ seine Arbeit aufnehmen und an die erfolgreiche Tätigkeit des Verbunds INFECTIONS´21 anschließen.  In den kommenden vier Jahren liegt der Fokus der Forschung auf der Ausbreitung antimikrobiell resistenter Mikroben in einer zunehmend urbanisierten Gesellschaft. Durch seine stark interdisziplinäre und kooperative Forschungsagenda sollen langfristige Synergien entwickelt werden, um aktuelles Wissen zu erweitern, zur Entwicklung von Gegenmaßnahmen beizutragen und politische Empfehlungen zu geben.

Infektionskrankheiten, die durch Viren, Bakterien, Parasiten und Pilze verursacht werden, gehören zu den häufigsten Todesursachen weltweit und stellen uns vor große gesellschaftliche und gesundheitspolitische Herausforderungen. Neben den bisher bekannten Erregern wird die Menschheit zunehmend mit neu auftretenden Keimen konfrontiert, deren Entstehung und Ausbreitung durch menschliches Handeln begünstigt wird und oft einen zoonotischen Ursprung hat. Diese Übertragung vom Tier zum Menschen könnte in Zukunft noch verstärkt werden: Bereits 2018 lebten 55 % der Weltbevölkerung in Städten, bis zum Jahre 2050 wird ein Anstieg auf 68 % vorhergesagt. Dicht besiedelte Zentren dringen in ländliche Bereiche ein und bewirken eine fortschreitende Nähe zwischen Wildtier, Nutztier und Mensch. Zudem passen sich Wildtiere immer besser an landwirtschaftlich genutzte und urbane Gebiete an, wodurch das Risiko der Erregerübertragung auf den Menschen in Zukunft erhöht sein wird. 

Auch der verstärkte Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe, beispielsweise Antibiotika in Medizin und Landwirtschaft, fördert die Evolution von Keimen, die zunehmend Resistenzen gegen gängige Medikamente aufweisen und zu einem alarmierenden Anstieg schwer oder nicht mehr behandelbarer Infektionen führen. Ohne neue Medikamente und deren rationalem Einsatz, neue therapeutische Strategien, bessere Erregerüberwachung und Infektionskontrolle wird die Menschheit Krankheitserregern wieder zunehmend schutzlos ausgeliefert sein. „Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten, die durch resistente Erreger verursacht werden, gegen die wir keine oder nur noch wenige Wirkstoffe haben, bedarf der engen Zusammenarbeit unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen,“ so Prof. Dr. Ulrich Schaible, Sprecher des Leibniz-Forschungsverbunds INFECTIONS. „Für die Entstehung wirkstoffresistenter Erreger sind unterschiedliche Bedingungen ausschlaggebend, deren Erforschung und Eindämmung weit über den eigentlichen Bereich der Biomedizin hinausgeht und eine interdisziplinäre Herangehensweise verlangt.“

Aus diesem Grund haben die insgesamt 18 Leibniz-Partnerinstitute des Forschungsverbunds gemeinsam mit drei externen Kooperationspartnern den Schwerpunkt ihrer aktuellen Forschung auf die Auswirkungen der Urbanisierung und der Landwirtschaft auf die Ausbreitung wirkstoffresistenter Krankheitserreger gelegt. „Wir vermuten, dass verschiedene Grade menschlicher Nutzung und damit verbundene Tätigkeiten die Erregerausbreitung unterschiedlich fördern,“ erklärt Ulrich Schaible den Fokus der kommenden Arbeitsphase. „Aus diesem Grund haben wir die Projekte so angelegt, dass wir diesen Einfluss unter unterschiedlichen Gegebenheiten vergleichend untersuchen können.“ Die insgesamt sechs Projekte, die in den kommenden vier Jahren durch die gebündelte und multidisziplinäre Expertise der Projektpartner bearbeitet werden, umspannen natürliche, landwirtschaftlich genutzte und urbane Bereiche. Dabei wird der Einfluss von Wasser, verschiedenen Fliegenarten und Eindämmungsmaßnahmen in Krankenhäusern auf die Erregerverbreitung untersucht.

„Infektionsforschung ist seit jeher eine Domäne von Leibniz-Instituten. Nicht zuletzt wurde 2003 der erste diagnostische Test auf das erstmalig aufgetretene SARS-Coronavirus in einem Leibniz-Institut entwickelt und sofort der weltweiten Wissenschaft zur Verfügung gestellt,“ so Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. “Die aktuelle Covid-19-Pandemie führt uns derzeit nicht nur die außerordentliche gesellschaftliche Relevanz der Infektionsforschung vor Augen, sondern macht uns auch klar, wie weitreichend und diszplinenübergreifend ihre wissenschaftlichen Fragestellungen sind. Neben Infektiologie, Epidemiologie und Medizin sind es zum Beispiel Zoologie, Wirtschaftswissenschaften und Klimaforschung, aber auch physikalische Wissenschaften, die sich mit den Ursachen, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen von Infektionskrankheiten befassen. Diese kooperative Interdisziplinarität spiegelt sich im Leibniz-Forschungsverbund INFECTIONS, der jetzt in eine neue Arbeitsphase geht. Ich bin guter Hoffnung, dass wir aus seiner Arbeit wichtige Erkenntnisse für zukünftige Epidemien gewinnen können, mit denen sich hoffentlich derart schwere, pandemische Verläufe wie aktuell verhindern lassen.“

In der offiziellen Begründung des Senates der Leibniz-Gemeinschaft wurde die Relevanz der Initiative nicht nur angesichts der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie hervorgehoben und eine Förderung empfohlen. Der Forschungsverbund hat laut der Begründung das Potential eine existierende Lücke in der Forschung zur Infektionsbekämpfung zu schließen, da es exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenbringe und Strukturen schaffe, die es so an anderer Stelle noch nicht gebe.  Neben der exzellenten wissenschaftlichen Forschung wird ein weiterer Fokus auf die Vermittlung des erworbenen Wissens gelegt: Neben mehreren lokalen und internationalen Veranstaltungen, Summer Schools und Workshops zum Thema Wirkstoffresistenzen soll auch die breite Öffentlichkeit durch Videoblogs, Podcasts und soziale Medien über den aktuellen Stand der Projekte informiert und durch ein Citizen-Science Projekt direkt in die Forschung einbezogen werden.  Die Finanzierungsumme beläuft sich auf 1,2 Millionen Euro für die kommenden vier Jahre.